Alkoholkonsum in der Ausgangssperre

Die Ausgangssperre brachte Veränderungen in der Gewohnheiten der Canarios mit sich. Foto: pixabay

Die Ausgangssperre brachte Veränderungen in der Gewohnheiten der Canarios mit sich. Foto: pixabay

Ein Viertel der Canarios wandte sich während des Alarmzustandes vermehrt alkoholischen Getränken zu

Kanarische Inseln – Während der Ausgangssperre, die in der Zeit des dreimonatigen Alarmzustandes in der ersten Jahreshälfte 2020 verhängt wurde, stieg der Alkoholkonsum in ganz Spanien an. Auf den Kanaren war dieses Phänomen besonders ausgeprägt: Jeder vierte Bewohner des Archipels sprach verstärkt alkoholischen Getränken zu. Die Inseln lagen diesbezüglich an zweiter Stelle hinter der autonomen Region Valencia.
Besonders stark erhöhte sich der Konsum in der Gruppe der 18- bis 34-Jährigen, darunter vor allem bei denjenigen, die allein oder in Wohngemeinschaften leben.
Sieben spanische Universitäten haben eine Studie mit dem Titel „Die psychologischen Konsequenzen von Covid-19 und der Ausgangssperre“ ausgearbeitet. Die Befragten berichteten u.a. von regelmäßigem Alkoholkonsum zu den Mahlzeiten und häufigen virtuellen Treffen mit Freunden, bei denen getrunken wurde, auch wenn dies zuvor nicht zu den Gewohnheiten der betreffenden Person gehörte.
Auch andere Gewohnheiten verstärkten sich in der Ausgangssperre. 76,7% der kanarischen Bevölkerung verbrachten mehr Zeit in den sozialen Netzwerken, 65,8% erhöhten ihren Fernsehkonsum, 42,8% verbrachten mehr Zeit mit Videospielen, und bis zu 45% aßen mehr hochkalorische Lebensmittel als üblich. Es gab aber auch positive Trends. Unter allen Spaniern haben die Canarios das Rauchen stärksten reduziert. 16% gaben an weniger Zigaretten zu rauchen. 10,8% berichteten von einem vermindertem Cannabiskonsum, doch nur 6% von einem erhöhten Cannabis-Verbrauch.
In Bezug auf die Zunahme psychologischer Probleme waren die Kanaren mehr betroffen als der Landesdurchschnitt. Der Verbrauch von Psychopharmaka – wie Antidepressiva und Angstlöser – nahm auf den Inseln stärker zu als im restlichen Spanien. 5% der Canarios nahmen in der Zeit der Ausgangssperre professionelle Hilfe in Anspruch. Die Autoren der Studie sehen den Grund dafür in der starken Abhängigkeit der Kanaren vom Tourismus, wodurch hier besonders viele Menschen ihren Arbeitsplatz und ihre Existenz gefährdet sehen.
Mit 45% berichtet fast die Hälfte der Canarios von psychischen Belastungen während der Ausgangssperre, 10% gar von erheblichen Problemen. 41,2% gaben an, mehr negative und pessimistische Gedanken zu haben, und 53,3% litten unter Schlafstörungen.

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