72 Stunden alleine auf Lobos


Schiffskapitän bestrafte Segelschüler mit Isolierung auf der kleinen Insel

Auf dem dänischen Segelschulschiff „Silvermoon“ sollen schwer erziehbare Jugendliche auf den rechten Weg gebracht werden. Eine Lektion fürs Leben hat sicherlich ein sechzehn Jahre alter Junge erhalten, den der Schiffskapitän auf der kleinen Insel Lobos vor Fuerteventura wegen seines schlechten Benehmens an Bord aussetzte.

Der Junge wurde vom Umweltaufseher der Insel gefunden. Dieser berichtete: „Er war verängstigt, zitterte vor Kälte und behauptete, er sei vom Schiffskapitän ohne Kleidung und Essen für unbegrenzte Zeit zurückgelassen worden.“ Auch einigen der wenigen Einwohner der Mini-Insel war der Junge aufgefallen. Sie hatten ihm eine Decke für die Nacht und Essen gegeben. Der 16-Jährige verbrachte insgesamt 72 Stunden auf Lobos.

Der Schiffskapitän, ein 22 Jahre alter Däne, dem von den Eltern und vom dänischen Staat für die Dauer des Segeltörns die Vormundschaft für den Jungen und weitere zehn Segelschüler übertragen worden war, wollte anscheinend ein Exempel statuieren. Dass er dafür mehrere Stunden in einem Polizeikommissariat festgehalten werden würde, hatte er wohl nicht gedacht. Die Guardia Civil befreite den Jungen nämlich vorzeitig von seiner Strafe und brachte ihn nach Lanzarote. Nachdem er seine Lage geschildert hatte und immer wieder auf Englisch bat: „Bringt mich nicht auf das Schiff zurück, die bestrafen mich wieder“, wurde der Kapitän vorläufig festgenommen. Dieser sagte aus, er habe den Jungen zwar zur Strafe auf Lobos ausgesetzt, das Segelschiff habe aber vor der Insel vor Anker gelegen und er selbst sei mit einem Schlauchboot mehrmals am Tag nach Lobos gefahren, um den Jungen mit Wasser und Essen zu versorgen und nach ihm zu sehen.

Der Richter setzte den Kapitän nach der Vernehmung wieder auf freien Fuß und der Junge kehrte auf das Schiff zurück. Auf den Kanaren wunderte sich unterdessen die Gesellschaft über die „eigenartigen dänischen Erziehungsmethoden“.




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