2020: kein unbehandeltes Abwasser ins Meer


In tief hinunterreichenden Netzkäfigen, den Mesokosmen, wird die Entwicklung von Fischlarven unter verschiedenen Bedingungen untersucht. Fotos: EFE

Teneriffas Cabildo sagt Gesamtinvestition von über 80 Millionen Euro in die Verbesserung der Abwasserreinigung zu

Teneriffa – Das Auftreten der Mikroalgen des Typs Trichodesmium erythraeum an zahlreichen Stränden Teneriffas hat die Aufmerksamkeit der Bevölkerung auf ein heikles Thema gelenkt, nämlich die Einleitung nicht behandelten Abwassers ins Meer. Zwar beteuerten die Experten und Politiker, es bestehe kein Zusammenhang zwischen dem ungeklärten Abwasser im Meer und der Algenblüte, die einen grünlich-braunen Schleier auf dem Wasser bildete, doch blieben die Zweifel und die Entrüstung der Einheimischen über die an mehreren Stellen der Küste vorgenommenen Einleitungen unbehandelten Abwassers. Dieser Tage nun kündigte das Cabildo eine umfassende Investition in die Abwasserbehandlung der Insel an und versprach, dass bis 2020 hundert Prozent des in das Meer gelangende Abwasser geklärt, also sauber, sein werde.

Der entsprechende Plan wurde von Inselpräsident Carlos Alonso, Vizepräsident Aurelio Abreu und Manuel Martínez, Inselrat für Wasser, vorgestellt. Demnach will das Cabildo zwischen 2018 und 2020 über 80 Millionen Euro in die Abwasserbehandlung investieren.

Tatsächlich beläuft sich der durchschnittliche Abwasseranfall jährlich und für eine ständige Bevölkerungszahl von knapp einer Million Personen, inklusive Urlauber, auf 63,48 Millionen Kubikmeter. 38,4 Millionen Kubikmeter bzw. 60% werden in die zentrale Abwasserbeseitigung eingeleitet, hiervon werden 24,6 Millionen Kubikmeter – 39% des gesamten Abwassers – in Kläranlagen wiederaufbereitet. Das Abwasser, welches nicht in die zentrale Abwasserbeseitigung gelangt, und knapp 40% (25 Millionen Kubikmeter) ausmacht, fließt in Sickergruben.

In tief hinunterreichenden Netzkäfigen, den Mesokosmen, wird die Entwicklung von Fischlarven unter verschiedenen Bedingungen untersucht. Fotos: EFE

Im Rahmen des neuen Abwasserplanes wird das Cabildo mehr als 80 Millionen Euro investieren, um das inseleigene Abwasserwiederaufbereitungssystem den europäischen Vorgaben für Städte anzupassen. Allein 38 Millionen Euro sollen für die Abwasserleitungsnetze, neue Pumpwerke und die Kanalisation aufgebracht werden. Die Gemeinden beteiligen sich mit weiteren zehn Millionen Euro.

In den Bau vier neuer Kläranlagen in Valle de Güímar, Isla Baja, La Guancha-San Juan de la Rambla und Roques de Fasnia wird das Cabildo 33 Millionen Euro investieren. Darüber hinaus sind die Projekte der Kläranlagen des Westens, Arona West-San Miguel, Abona und Acentejo in Arbeit, deren Bau 20, 79, 26 bzw. 12 Millionen Euro kosten soll.

Wasserinselrat Martínez gab bekannt, dass die Kläranlagen der Landkreise Adeje-Arona und Nordosten derzeit erweitert würden. Die Erweiterung und Verbesserung der Kläranlage von Santa Cruz solle noch vor Jahresende für 32 Millionen Euro in Auftrag gegeben werden, so Martínez. Insbesondere von der Modernisierung dieser viel genutzten Kläranlage versprechen sich die Verantwortlichen eine erhebliche Verbesserung bei der Kubikmetermenge behandelten Abwassers.

Der Hauptverantwortliche für die Abwasserbehandlung der Insel gab bekannt, bereits vor mehreren Monaten sei eine umfangreiche Studie über das Abwasseraufkommen und über die Defizite jeder der 31 Gemeinden erstellt worden.

Der Biologe Prof. Dr. rer. nat Ulf Riebesell leitet das Experiment. Foto: EFE

Die heftig kritisierten Abwasserleitungen ins Meer streifte Martínez jedoch nur, denn eigenen Aussagen zufolge würden 34 der 41 „emisarios“ von der jeweiligen Gemeinde verwaltet. Die Wartung sei Angelegenheit des kanarischen Umweltressorts und der staatlichen Küstenbehörde; über den Zustand der Leitungen wolle er sich deswegen nicht äußern, so Martínez.

Trinkwasserverlust bekämpfen

Fast zeitgleich zu der Präsentation des Inselabwasserplanes unterzeichneten die Vertreter von zwölf Gemeinden (Buenavista, El Tanque, La Guancha, Los Silos, Garachico, San Juan de la Rambla, Santa Úrsula, La Victoria, La Matanza, El Rosario, Fasnia und Vilaflor) ein Abkommen mit dem Inselwasserrat, um dem hohen Trinkwasserverlust beizukommen. Die kommenden zwei Jahre wird nun der Wasserrat den Gemeinden beistehen, um die Defizite ausfindig zu machen. Javier Davara, Geschäftsführer des Wasserrates, erklärte, derzeit gäbe es auf Teneriffa Gemeinden, die bis zu 57% des Trinkwassers auf seinem Weg verlieren würden.

Algenblüte

Inselpräsident Carlos Alonso wies jeden Zusammenhang zwischen der Einleitung unbehandelter Abwässer ins Meer und der Algenblüte erneut zurück. Trotzdem bezeichnete er die teilweise stattgefundene „Verfälschung“ der Tatsachen als positiv, habe sie doch das Bewusstsein der Bevölkerung über die Notwendigkeit einer korrekten und vollständigen Abwasseraufbereitung gestärkt und die verantwortlichen Behörden zu mehr Einsatz und Koordination veranlasst.

Derweil kritisierte Carlos Correa, Stadtrat für Umwelt in Santa Cruz, das Krisenmanagement der Kanarenregierung, die erst 40 Tage nach Auftreten der ersten Algenblüte eine Pressekonferenz mit wissenschaftlichen Experten anberaumt habe, bei der – viel zu spät – Klarheit über die Algenblüte geschaffen worden sei: Kein Zusammenhang mit Abwässern, vielmehr wärme- und calimabedingt, keine Gefahr für die Gesundheit.

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