Weniger Überstunden


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Nach der Einführung des obligatorischen Arbeitsstundenregisters ist die Zahl der bezahlten Überstunden um 19% zurückgegangen

Madrid – Seit vor drei Monaten eine neue Regelung in Kraft getreten ist, welche die Betriebe verpflichtet, die täglichen Arbeitszeiten ihrer Angestellten zu dokumentieren, ist die Anzahl der Überstunden, welche die spanischen Arbeitnehmer leisten, erheblich gesunken. Seit zehn Jahren stieg diese Zahl stetig an. Im vergangenen Jahr arbeiteten die Spanier 330 Millionen Stunden über ihre reguläre Arbeitszeit hinaus, 166 Millionen davon bezahlt, der Rest unbezahlte Überstunden, der höchste Wert seit 2009.

Doch seit Mitte Mai, seit die Registrierung der Arbeitszeiten obligatorisch wur­de, ist diese Entwicklung unterbrochen worden, mit dem Ergebnis, dass das Volumen der Überstunden, den Ergebnissen der Umfrage zu den Kosten der Arbeit des Nationalen Statistikinstituts INE zufolge, im zweiten Quartal 2019 gegenüber dem gleichen Vorjahreszeitraum um 19% zurückgegangen ist. Die unbezahlten Überstunden reduzierten sich ebenfalls, jedoch in weitaus geringerem Maße, um nur 2,5%.

Die Gewerkschaft UGT begrüßte die Wirkung, welche die neue Regelung zur Registrierung der täglichen Arbeitszeit entfaltet. Die Arbeitnehmervertreter gehen davon aus, dass die Verpflichtung zur Transparenz in diesem Bereich die Arbeitgeber dazu motiviert habe, die tägliche Arbeitszeit rationeller zu gestalten und jene Stunden, welche nicht unbedingt notwendig sind, wegfallen zu lassen.

Firmen, die sich nicht an die Verpflichtung zur Aufzeichnung der Arbeitszeiten halten, müssen mit Bußgeldern zwischen 626 und 6.250 Euro rechnen, je nach Größe und Umsatz des Unternehmens.

Die UGT hält es für geboten, den nun eingeschlagenen Weg zur Reduzierung der Überstunden fortzusetzen. Nach den Berechnungen der Gewerkschaft würden, wenn auf einen Schlag alle Überstunden wegfielen, 180.000 neue Vollzeitstellen geschaffen. Den Arbeitnehmern entgehen durch die vielen unbezahlten Überstunden rund 2,3 Milliarden Euro an Gehaltszahlungen und der Sozialversicherung rund 650 Millionen Euro an Beiträgen. Stünde der Seguridad Social die letztere Summe zur Verfügung, würde sich ihr Defizit um 3,5% verringern.

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