Ungleiche Entwicklung am Immobilienmarkt


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In den bevölkerungsarmen Provinzen schwächelt das Geschäft

Madrid – Die Kammer der Grundbuchbeamten hat die Jahresstatistik für 2018 vorgestellt. Daraus geht hervor, dass der Immobilienmarkt in den einwohnerarmen Provinzen eine weit schlechtere Entwicklung aufweist, als in den Provinzen mit einer hohen Einwohnerzahl. Die Daten weisen ein Spanien mit zwei Geschwindigkeiten auf: Zum einen die Mittelmeerküste, Madrid, Balearen und die Kanarischen Inseln, auf der anderen Seite das Landesinnere.

Im vergangenen Jahr lag der Durchschnitt der Immobilienkäufe bei 11,16 pro 1.000 Einwohner. In Soria und Teruel, den beiden Provinzen mit den geringsten Einwohnerzahlen, belief sich der Durchschnitt auf 8,82 bzw. 7,93. Zamora, die im Ranking der einwohnerärmsten Provinzen den sechsten Platz belegt, kam sogar nur auf einen Durchschnitt von 5,9 entsprechender Abschlüsse. Demgegenüber stehen Alicante (21,35) und Málaga (19,74), die gleichzeitig im Ranking der einwohnerstärksten Provinzen den fünften bzw. sechsten Platz einnehmen.

Fernando Acedo-Rico von der Kammer der Grundbuchbeamten sah sich bestätigt: „Seit Jahren befinden wir uns glücklicherweise wieder im Wachstum, aber nicht gleichförmig in ganz Spanien.“ Er bezeichnete das Wachstum als „sehr asymmetrisch“.

Allerdings verzeichnete das gering bevölkerte Teruel im Vergleich zum Vorjahr einen Anstieg der Immobilienverkäufe von 25%, fast doppelt so viel wie die landesweite Zunahme von 11,3%. In Palencia und Cuenca dagegen wurden kaum mehr Immobilien „an den Mann gebracht“ als im Vorjahr (+0,08% bzw. +1,2%).

Allgemein wurden in ganz Spanien 11,3% mehr Immobilien verkauft als 2017, als das Wachstum bei knapp 15% im Vergleich zu 2016 lag. Das führen die Grundbuchbeamten darauf zurück, dass die starken Immobilienmärkte der Balearen, der Kanaren, von Madrid, Barcelona und Málaga – die gleichzeitig auch zu den einwohnerstärksten Provinzen gehören – langsam an ihre Grenzen kommen.

Die seit Jahren anhaltende positive Entwicklung des Immobilienmarktes wird von der Kammer auf das hohe Interesse ausländischer Käufer zurückgeführt. Tatsächlich handelte es sich bei jedem zehnten Immobilienkäufer um einen Ausländer (12,64%), wobei der landesweite Durchschnitt die teils starken Abweichungen, die in den verschiedenen Provinzen zu beobachten sind, nicht beleuchtet. So lag der Anteil der ausländischen Immobilienkäufer in Alicante bei über 40%, in Lugo dagegen bei unter 1%. Zu den Provinzen mit den meisten ausländischen Immobilienkäufern gehören auch Santa Cruz de Tenerife und die Balearen. Pontevedra und Badajoz vervollständigen die Gruppe der Provinzen mit dem geringsten Ausländeranteil unter den Hauskäufern.

Nach Nationalitäten schlüsseln die Grundbuchbeamten die Immobilienkäufer folgendermaßen auf: Briten (15,5%), Deutsche (7,5%) und Franzosen (7,4%) teilen sich die vorderen Plätze. Unter den Nicht- EU-Ausländern haben die Marokkaner an achter Stelle die Nase vorn (4,8%).

Die Kammer hat auch das unter den Regionen teils stark abweichende Interesse der Investoren beleuchtet. Mehr als 12% der Immobilienkäufe wurden von Unternehmen getätigt. Anteilsmäßig war dies am häufigsten auf den Kanarischen Inseln (17,94%), in Katalonien (15,84%) und Murcia (14,70%) der Fall. Das geringste Interesse war in Navarra (7,78%), Kastilien und León (6,19%) und dem Baskenland (4,48%) zu verzeichnen.

Preisanstieg um 8%

Aus dem Jahresbericht der Grundbuchbeamten geht auch hervor, dass im vergangenen Jahr der durchschnittliche Immobilienpreis um 8,22% angestiegen ist. Dies ist die höchste Verteuerungsrate seit 2007, seit dem Jahr, bevor die Immobilienblase in sich zusammenfiel. Dennoch liegen die Preise noch  immer 16% unter dem Höchststand des zweiten Halbjahres 2017.




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