Tourismus als Motor des Arbeitsmarktes bestätigt


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Trotz einer guten Entwicklung im Dienstleistungssektor bleibt die Arbeitssituation auf den Kanaren weiterhin kritisch

Dank der Erholung des Tourismus hat sich die Situation auf dem kanarischen Arbeitsmarkt verbessert, wenn auch nur gering. Besonders auf Teneriffa wirkte sich der Aufschwung beim Tourimus auch auf den Stellenmarkt aus, denn hier wurde der Großteil der neuen Arbeitsplätze geschaffen.

Trotzdem bleibt die Situation kritisch, denn der Anteil der Arbeitslosen ohne staatliche Unterstütztung ist bedenklich gestiegen.

488 weniger Arbeitslose

Laut der neuesten Daten des Arbeitsministeriums sank die Arbeitslosenzahl auf den Kanarischen Inseln im September schon zum zweiten Mal in Folge, während die nationale Quote anstieg. So nahm die Zahl der Arbeitslosen im September auf den Kanaren um 488 bzw. 0,2% ab; spanienweit meldeten sich fast 96.000 bzw. 2,3% mehr Menschen arbeitslos. Insgesamt gab es fast 252.000 Arbeitslose auf den Kanarischen Inseln und über 4,2 Millionen in ganz Spanien.

Im Vergleich zum Vorjahresmonat waren 7.700  bzw. 3% weniger Menschen auf den Kanaren arbeitslos gemeldet – von allen autonomen Regionen das beste Ergebnis. Landesweit kamen fast 209.000 bzw. 5% Arbeitslose hinzu.

Der Unternehmerverband CEOE-Tenerife bezeichnete die geringe Verbesserung bei den kanarischen Arbeitslosenzahlen als „kleine Verschnaufpause“ und begründete diese mit der positiven Entwicklung im Dienstleistungssektor, die weiter mit konkreten Maßnahmen gefördert werden müsse. Auch forderten die Unternehmer erneut eine Flexibilisierung des Arbeitsrechtes und die Freigabe von Krediten.

Die Handelskammer der Provinz Santa Cruz de Tenerife stufte die Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt als „positiv“ ein und verlangte eine verbesserte und auf die Nachfrage ausgerichtete Ausbildungspolitik.

Die Gewerkschaft CCOO-Canarias dagegen hob hervor, die leichte Verbesserung auf dem Arbeitsmarkt begründe sich nur auf die saisonbedingten Neueinstellungen.

80% der neuen Arbeitsplätze sind auf Teneriffa

Eine Studie der Handelskammer der Provinz Santa Cruz de Tenerife hat ergeben, dass 80% der im letzten Jahr auf den Kanarischen Inseln geschaffenen Arbeitsplätze Teneriffa zuzuordnen sind.

Carlos Alonso, Cabildo-Vizepräsident und Leiter des Tourismusamtes, gab zu verstehen, die gute Entwicklung beim Inseltourismus sei für die vermehrte Schaffung von Arbeitsplätzen auf Teneriffa verantwortlich. Wegen der großen Bedeutung des Tourismus für die Insel, deren Wirtschaft und Arbeitsmarkt arbeiteten Tourismusamt und Unternehmer bereits an der Ausarbeitung einer neuen Strategie für Teneriffas Tourismus, die auf Nachhaltigkeit und Differenzierung, Qualität, Innovation, Diversifizierung und Spezialisierung abziele. Eckpunkte des neuen Planes würden die Renovierung veralteter Hotels und die Wiederherstellung öffentlicher Plätze, die Verbindung von Freizeit, Kultur, Gastronomie, Natur und Landschaft, neue Werbestrategien sowie eine Verbesserung bei der Ausbildung im Sektor sein.

Doch auch Alonso musste zugeben, dass abgesehen vom Tourismus in den anderen Sektoren kaum Arbeitsplätze geschaffen würden. Das Bauwesen würde weiterhin stark unter der Krise leiden, beim Handel sei die Zahl der Arbeitgeber gesunken und in der Landwirtschaft habe der Bananenexport abgenommen. Doch das Cabildo arbeite an Strategien, um auch diese Wirtschaftssektoren in Schwung zu bringen und die Schaffung von Arbeitsplätzen zu ermöglichen. Besonders würden neue Ideen und Projekte unterstützt werden.

Am 7. Oktober gab die Inselregierung bekannt, im September seien fast 6.500 neue Verträge im Tourismussektor abgeschlossen worden.

71.000 Menschen ohne Arbeitslosenhilfe

Die Zahlen sind erschreckend. Ende August hatten 30% der kanarischen Arbeitslosen kein Anrecht auf eine staatliche Unterstützung. 71.500 Menschen erfüllten entweder nicht die Voraussetzungen oder hatten die verschiedenen Hilfen ausgeschöpft. Vor einem Jahr lag der Anteil noch bei 20%.

Dieser Anstieg liegt im Wegfall des Arbeitslosengeldes PRODI, der verschärften Voraussetzugen für den Erhalt des Ersatzpgrogrammes Prepara sowie der Langzeitarbeitslosigkeit begründet.

Lola Pérez, Leiterin der Studienabteilung der Handelskammer, sprach mit einer Tageszeitung über die Situation. Pérez warnte, dass das Konsumvermögen vieler Familien weiter geschwächt würde und diese nicht wüssten, wie sie die laufenden Kosten noch begleichen sollten. Es gäbe nicht genügend wirtschaftliche Tätigkeit zur Schaffung von Arbeitsplätzen und als Folge sei ein schweres soziales Problem entstanden.

Der Arbeitsmarkt müsste unbedingt wieder in Schwung gebracht und viele Arbeitslose umgeschult werden.

Auch laut José Miguel González von der Gewerkschaft CCOO-Canarias müsse die Spirale zum Stillstand gebracht werden, denn weniger staatliche Hilfen bedeuteten weniger Konsum, weniger Geschäft und noch weniger Arbeitsplätze.




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