Thomas Cook-Pleite: Sorge um die Wintersaison


Ein Thomas Cook-Kunde wartet auf Fuerteventura nach der Streichung seines Fluges auf Informationen. Foto: EFE

Der Ausfall des Reiseveranstalters gefährdet Existenzen und ruiniert die kanarische Hauptsaison, die von Oktober bis März dauert

Kanarische Inseln  –  Die Pleite des Reiseveranstalters Thomas Cook ließ rund 600.000 Reisende, darunter 140.000 Deutsche, weltweit stranden. Daraufhin startete die britische Regierung eine groß angelegte Repatriierungsaktion und holt 150.000 Reisende zurück, die ihren Urlaub von Großbritannien aus begonnen haben.

Diese Mammutaktion be­scher­te den Kanaren eine unerwartete Premiere, als zum ersten Mal in der Geschichte der Luftfahrt das größte Passagierflugzeug der Welt, ein Airbus A380,  den die britische Regierung zur Rückholung ihrer Bürger gechartert hatte, auf einem kanarischen Flughafen – dem Aeropuerto Gando auf Gran Canaria – landete.

In der kanarischen Wirtschaft hinterlässt der Bankrott des für die Kanaren zweitwichtigsten Reiseveranstalters tiefe Spuren.

Seguridad Social stundet die Sozialbeiträge

Der Tourismussektor macht ein Drittel des Bruttoinlandsprodukts der Kanarischen Inseln aus. Durch die Thomas Cook-Pleite sind 15.000 von 150.000 Arbeitsplätzen im Hotelgewerbe in Gefahr geraten. Gewerkschaften und Unternehmerverbände befürchten das Schlimmste und forderten vom ersten Moment an Maßnahmen, die den Fortbestand der betroffenen Unternehmen und Arbeitsplätze sichern.

In diesem Sinne hat die spanische Sozialkasse Seguridad Social den betroffenen Unternehmen nun einen Zahlungsaufschub für die monatlichen Sozialabgaben der Angestellten für die Dauer von zwölf oder achtzehn Monaten gewährt. Dadurch sollen einerseits Entlassungen, oder gar Massenent- lassungen, vermieden und andererseits die Liquidität der Firmen verbessert werden.

Versicherungen und britische Regierung treten ein

Das Konsortium der Versicherungen des Thomas Cook-Konzerns hat die Partner-Hotels des britischen Reiseveranstalters angeschrieben und zugesichert, dass die Hotelrechnungen der zur Zeit des Bankrotts bei ihnen untergebrachten Gäs­te übernommen werden.

Die Zivile Luftfahrtbehörde Großbritanniens hat durch den Britischen Botschafter in Spanien, Hugh Elliott, der sich mit Kanarenpräsident Ángel Víctor Torres traf, übermitteln lassen, dass sie für die Verlängerung des Hotelaufenthalts derjenigen Touristen, die auf die Rückführung nach Großbritannien warten, aufkommen werde. Allein auf den Kanaren saßen durch den Zusammenbruch des Reise-Konzerns 30.000 britische Touristen fest.

Deutsche, die eine Pauschalreise mit Thomas Cook gebucht hatten, wurden zwar nicht, wie die Briten, von ihrer Regierung nach Hause geholt, der Rückflug und der verlängerte Aufenthalt ist jedoch durch die Reiseversicherung abgesichert. Wer nur den Flug gebucht hatte, war jedoch nicht in dieser Weise abgesichert.

Hauptsaison ruiniert

Die Maßnahmen, die bisher ergriffen wurden, um die wirtschaftlichen Folgen für die Kanaren abzufedern, reichen dem Tourismussektor noch nicht aus. Der Bankrott von Thomas Cook fällt mit dem Beginn der Hauptsaison zusammen, die auf den Inseln von Oktober bis März dauert. Aufgrund der vorhandenen Buchungen ging die Hotelbranche von einer durchschnittlichen Auslastung von 90% für diese Zeit aus. Diese Aussichten sind nun drastisch reduziert worden, in einigen Fällen hinunter bis auf 30%.

Die Verringerung der Einnahmen durch ausgefallene Herbst- und Winterreisen, die  Reduzierung der Flugverbindungen auf die Kanaren und die Schulden, welche Thomas Cook hinterlässt, stellen das kanarische Beherbergungsgewerbe vor große Herausforderungen. Der Konzern hat allein zwanzig eigene Hotels auf den Inseln und versorgte eine große Anzahl weiterer Hotels mit Gästen. Im vergangenen Jahr kamen 2,13 Millionen Urlauber mit Thomas Cook auf die Kanaren.

Besonders wichtig ist es in dieser Situation, eine ausreichende Menge an Flugverbindungen zu sichern. Wie Cabildo-Präsident Pedro Martín verlauten ließ, hat die Inselregierung von Teneriffa mit Jet2 und Wizz Air deshalb Abkommen über 83.000 zusätzliche Passagierplätze von Großbritannien nach Teneriffa geschlossen und ist mit weiteren Fluggesellschaften im Gespräch.

Norwegian bleibt

Der Wegfall des Mitbewerbers Thomas Cook hat die Fluggesellschaft Norwegian dazu bewogen, ihre Pläne für die Schließung ihrer Basen auf den Kanaren nun doch nicht in die Tat umzusetzen.

Im vergangenen Januar hatte die norwegische Fluggesellschaft bekannt gegeben, ihre drei Stützpunkte in Spanien – auf Mallorca, Gran Canaria und Teneriffa – aufgeben zu wollen. Vier Monate später, im Mai, hieß es, man wolle die Entscheidung angesichts veränderter Zahlen und Wettbewerbslage noch einmal überdenken. Drei Tage nach dem Konkurs von Thomas Cook bestätigte Norwegian nun die Beibehaltung der Basen.

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