Tarifkonflikt im Tourismus spitzt sich zu


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Hotelverband und Gewerkschaften finden zu keiner Einigung

Bei den derzeitigen Verhandlungen um den neuen Tarifvertrag im Tourismus finden Arbeitgeber- und Arbeitnehmervertreter zu keiner Einigung. Um ihren Forderungen Nachdruck zu verleihen, riefen die Gewerkschaften zu ersten Protestaktionen auf und wollen diese, insbesondere während der Hochsaison, nach und nach verschärfen.

Am 30. Juni läuft der in der Provinz Santa Cruz de Tenerife geltende Tarifvertrag für den Tourismussektor aus. Seit Anfang des Monats setzten sich die Spitzen des Hotelverbandes Ashotel und der wichtigsten Gewerkschaften des Sektors – CC.OO., UGT, IC und USO – wiederholt an einen Tisch, um einen neuen Tarifvertrag auszuhandeln. Doch obwohl beide Seiten immer wieder ihre Dialogbereitschaft versichern, kann man sich inbesondere bei dem Thema Lohnerhöhung nicht einigen.

Während die Arbeitgeber in diesem und bis Mitte kommenden Jahres die Gehälter einfrieren wollen, fordern die Arbeitnehmer eine Anhebung von 2,5%, würden sich aber auch mit einer Erhöhung von 0,5% begnügen, wenn 2% der gesamten Lohnkosten für die Schaffung von Arbeitsplätzen abgezweigt würden.

Jorge Marichal, Präsident von Ashotel, gab zwar zu, dass im vergangenen Jahr sehr gute Gewinne erzielt wurden, doch hätten diese kaum die schlechten Ergebnisse der drei vorausgegangenen Jahre wettmachen können. Aufgrund der Rezession, der Anhebung der Mehrwertsteuer IGIC zum 1. Juli und der schlechteren Prognosen für diesen Sommer befänden sich die Hoteliers nicht in der Lage, die Löhne der Angestellten zu erhöhen, so Marichal. Die Anhebung des IGIC werde die Hoteliers 120 Millionen Euro kosten; die von den Arbeitnehmern geforderte Lohnerhöhung würde weitere 40 Millionen Euro kosten und sei für die Unternehmer nicht mehr tragbar. Schlussendlich würde die Gehaltsanhebung zu weiterem Arbeitsplatzabbau führen.

Nebenbei erwähnte Marichal auch, dass erst im vergangenen Jahr die Löhne um 3% angehoben worden seien.

Auf der anderen Seite verweisen die Gewerkschaftsvertreter, allen voran Manuel Fitas von CC.OO., auf die bedeutenden Gewinne der Hoteliers im vergangenen Jahr, die weder bei den Arbeitnehmern angekommen noch anteilig zur Schaffung von Arbeitsplätzen – trotz genereller Überlastung des Services – genutzt worden seien. Weder der Personalabbau der vergangenen Jahre sei ausgeglichen noch die Überbelastung des übrig gebliebenen Personals behoben worden.

Diverse Protestaktionen

Die Gewerkschaften geben den Hoteliers die Schuld am wiederholten Scheitern der Verhandlungen und setzten eine Reihe von Protestaktionen in Gang.

Am 13. Juni fand in Playa de las Américas bereits ein erster Protestmarsch statt, an dem zwischen 3.000 (laut der Lokalpolizei von Arona) und 5.000 (laut den Gewerkschaften) Personen teilnahmen.

In der nächsten Zeit sollen Versammlungen vor den Hotels und den Flughäfen sowie Broschüren die Urlauber über die Situation und die Forderungen der im Tourismus Angestellten informieren.

Die Gewerkschaft IC kündigte einen Protestmarsch am 20. Juni in Puerto de la Cruz an.

Kommt es bis August zu keiner Einigung, sollen nach dem Willen der Gewerkschaften die Hotelangestellten an mindestens einem Tag streiken. Da auch auf den Balearen, in Alicante und Málaga die Tarifverhandlungen festgefahren sind, plant man, sich mit den dortigen Gewerkschaften abzustimmen und gleichzeitig die Arbeit niederzulegen.

„Unpassend“ und „unangemessen“

Ashotel erkennt das Recht der Angestellten zu Protestaktionen an, bezeichnet den gewählten Zeitpunkt für einen Streik mitten in der Hochsaison jedoch als „unpassend“ und eine Arbeitsniederlegung als „unangemessen“. Allein schon die Streikankündigung schrecke Reiseveranstalter ab und sorge dafür, dass potenzielle Urlauber sich die Wahl ihres Urlaubszieles noch einmal überlegen würden. Einige Touristen, die schon gebucht hätten, würden stornieren. Die Prognosen für den Sommer seien vorher schon rückläufig gewesen und nun sehe alles danach aus, dass die Saison katastrophal ausfallen werde. Selbst Gewerkschaftsvertreter Fitas gab zu, die Auswirkungen könnten „gewaltig“ sein.

Die Handelskammer der Provinz Santa Cruz de Tenerife verurteilte die geplanten Protestaktionen scharf, denn diese würden die sowieso schon mitten in der Krise steckende kanarische Wirtschaft empfindlich treffen und die Hoffnung auf eine baldige Verbesserung der Arbeitsmarktlage zunichte machen.

„So schnell wie möglich“ eine Lösung finden

Die kanarische Regierung hielt sich anfangs noch aus dem Konflikt heraus, in der Hoffnung, beide Seiden würden mit der Zeit nachgeben und sich in der Mitte treffen.

Doch mit zunehmender Verschärfung forderte Regionalpräsident Paulino Rivero am 15. Juni sowohl Hotelverband als auch Gewerkschaften auf, im Interesse des Sommergeschäfts „so schnell wie möglich“ eine Lösung zu finden.




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