Spanair-Aus trifft auf den Kanaren 160 Angestellte und den Tourismus


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Tausende Passagiere mussten umbuchen, Belegschaft stand plötzlich auf der Straße

Am Nachmittag des 27. Januar wurde plötzlich das Aus der Fluggesellschaft Spanair bekannt gegeben, am Abend hob der letzte Flieger ab. Die plötzliche Pleite und Einstellung sämtlicher Flüge überraschte sogar den Staat. Viele ratlose Passagiere drängten sich vor den Schaltern, innerhalb von nur drei Tagen mussten Lösungen für rund 38.000 Flugreisende gefunden werden.

Barcelona – Ganz besonders betroffen sind die circa 4.000 Beschäftigten der Airline und des angeschlossenen Handling-Unternehmens Newco – darunter 160 auf den Kanarischen Inseln Tätige. Auch die kanarische Regierung ist besorgt, bot doch Spanair täglich rund 20 Kanaren-Flüge an.

Angehäufter Schuldenberg

Die finanziellen Probleme der 1986 gegründeten spanischen Fluggesellschaft Spanair waren schon lange kein Geheimnis mehr. In den letzten Jahren stieg die katalanische Regierung als Beteiligte ein und schoss Millionenbeträge in die strauchelnde Gesellschaft. Doch der Schuldenberg wuchs stetig und erreichte schließlich die Summe von 474 Millionen Euro. Als die katalanische Regierung weitere finanzielle Notspritzen strikt ablehnte, setzte die Firmenleitung auf eine Beteiligung oder Übernahme von Qatar Airways. Die Aufkündigung der Verhandlungen machten dann allerdings auch die letzte Hoffnung zunichte (einigen Angestellten zufolge sollen die Katarer abgesprungen sein, weil aufgrund der öffentlichen Einmischung seitens der katalanischen Subventionierung die EU eine Strafe von 150 Millionen Euro verhängen wollte). Am Nachmittag des 27. Januar hatte Spanair nicht einmal mehr genügend Geld, um die Flugzeuge zu betanken – auf Kredit gab man der Airline schon länger kein Kerosin mehr. Nach einer Eilsitzung gab die Unternehmensleitung am 27. Januar das Aus bekannt. Gegen 22.00 Uhr hob der letzte Spanair-Flieger ab, doch am selben Abend blieben bereits ratlose Passagiere am Boden.

Ausfall von Flugverbindungen

In den nächsten drei Tagen mussten weltweit 38.000 Passagiere versorgt werden. Andere Fluggesellschaften boten mit vergünstigten Preisen einen Ausweg, die Rückerstattung der bezahlten Tickets wurde eingeleitet.

Teneriffas Tourismusamt startete sofort das entsprechende Notfallprotokoll und suchte den Direktkontakt mit der spanischen Flughafenbetreibergesellschaft AENA, um den betroffenen Fluggästen so schnell und gut wie möglich helfen zu können. Carlos Alonso von Turismo de Tenerife bedauerte den Verlust von Arbeitsplätzen und die negativen Auswirkungen für Teneriffas Tourismus, der vom Flugverkehr abhänge.

Der Ausfall von Spanair könnte sich negativ aufs Geschäft auswirken, denn laut Ricardo Fernández de la Puente, Vizeleiter des Tourismusressorts, transportierte die Airline im vergangenen Jahr rund 600.000 Passagiere zwischen dem Festland und den Kanaren. Im Zuge dessen forderte der kanarische Präsident Paulino Rivero, falls andere Fluggesellschaften die Verbindungen und Frequenzen von Spanair nicht übernehmen würden, sollten die Flüge zwischen Festland und den Kanaren zum öffentlichen Transport deklariert werden.

Doch Airlines wie Vueling und Ryanair zeigten bereits Interesse, das hinterlassene „Loch“ an Flugverbindungen schließen zu wollen.

Zukunftsangst

Die rund 4.000 Beschäftigten von Spanair und dem angeschlossenen Handling-Unternehmen Newco – darunter 160 auf den Kanaren – wurden vom Aus ihres Arbeitgebers vollkommen überrascht. Seit dem 28. Januar protestierten sie täglich an den Flughäfen, u.a. auch auf den Flughäfen von Teneriffa und Gran Canaria; Verzweiflung machte sich breit. Zunächst wurden sie in bezahlten Urlaub geschickt und immerhin erhielt  jeder 1.000 Euro als Anzahlung auf den Januar-Lohn.

Am 1. Februar eröffnete das Handelsgericht von Barcelona das Konkursverfahren, kurz darauf wurde ein Verfahren für Massenentlassungen (ERE) eingeleitet. Die Unternehmensleitung will das Verfahren in nur 30 Tagen zu Ende bringen, damit die Belegschaft so schnell wie möglich Arbeitslosengeld beantragen kann. Aufgrund der fehlenden Liquidität werden die Angestellten wahrscheinlich vom staatlichen Ausgleichsfonds (Fogasa) eine Kündigungsentschädigung erhalten, die geringer ausfallen wird und deren Auszahlung sich hinziehen kann. Einige Fluggesellschaften haben schon angeboten, die Spanair-Belegschaft bei der Besetzung freier Posten vorzuziehen.




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