Regionalregierung verursacht Einstellung von Fährfahrten


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Fred. Olsen und Naviera Armas wehren sich gegen Zahlungsverzug in Millionenhöhe

Mitte Oktober hatte die Regionalregierung bei den auf den Kanaren verkehrenden Fährunternehmen einen Schuldenberg von rund 32 Millionen Euro angehäuft.

Nun drohte Fred. Olsen mit drastischen Maßnahmen, während Naviera Armas sogar die vollständige Einstellung einer Fährverbindung ankündigte. Im letzten Moment beließ es das Transportunternehmen dann aber doch bei der Streichung von nur einer Fährfahrt.

Die kanarische Regierung schuldet Fred. Olsen 18 Millionen Euro, der Reederei Armas 14 Millionen Euro und Acciona Trasmediterránea rund 40.000 Euro (Acciona Trasmediterránea bietet kaum interinsuläre Verbindungen an). Die Beträge sind dermaßen hoch, weil die Region seit dem letzten Quartal 2011 weder ihren Anteil an den Residentenrabatten noch die Subventionen für defizitäre Verbindungen überwiesen hat.

Rosa Dávila Mamely, Generaldirektorin für Transport der kanarischen Regierung, machte den heutigen Industrie-, Energie- und Tourismusminister José Manuel Soria für die Situation verantwortlich. Soria, im Jahr 2009 als Leiter der Ressorts Wirtschaft und Finanzen für die kanarische Haushaltsplanung verantwortlich, habe für 2010 den entsprechenden Posten mit nur vier Millionen ausgestattet, obwohl jährlich zwischen 21 und 24 Millionen Euro an die Fährunternehmen zu zahlen seien.

Die Residentenrabatte, die dem Inselcharakter entsprechend Reisen zwischen den Inseln für die Einwohner um 50% reduzieren, werden zur Hälfte vom Staat und zur Hälfte von der Region getragen. Die Subventionen für die zum öffentlichen Dienst erklärten Verbindungen nach La Gomera, die defizitäre Linien im Interesse der Inselbewohner ermöglichen, sind allein Sache der Regionalregierung.

Da zumindest der Staat seinen Anteil an den Residentenrabatten immer pünktlich jeden Monat überwies, haben die Fährunternehmen mit Hilfe von Bankkrediten bislang die hohen Betriebskosten decken können, doch nun hat sich die Schlinge zugezogen.

Fährunternehmen machen ernst

Und so drohte Fred. Olsen am 23. Oktober mit der Einstellung von Fährverbindungen, Personalentlassungen und Preiserhöhungen, sollte die Regionalregierung nicht bald die geschuldeten 18 Millionen Euro begleichen. Flottenleiter Juan Ignacio Liaño erklärte, bis Jahresende könne der Schuldenberg auf 21 Millionen Euro angewachsen sein. Das Unternehmen habe sich in den vergangen Wochen vermehrt mit der Regionalregierung in Verbindung gesetzt, doch einzig und allein die Antwort erhalten, „wir arbeiten daran“. Angesichts dieses düsteren Panoramas bleibe dem Unternehmen bald nichts anderes übrig, als defizitäre Strecken einzustellen und bei anderen Verbindungen die Frequenzen zu verringern. Darüber hinaus würden rund 80 der 820 Arbeitsplätze gestrichen werden müssen. Auch könne Fred. Olsen nicht mehr lange den 25-prozentigen Anteil der Region tragen und werde diesen den Kunden dann in Rechnung stellen.

Naviera Armas ging noch einen Schritt weiter und kündigte kurz darauf an, ab dem 6. November die Teneriffa-El Hierro-Verbindung komplett aus dem Programm zu nehmen.

Daraufhin gab Regierungssprecher Martín Marrero nach einer Kabinettssitzung am 31. Oktober bekannt, im Laufe der Woche werde man Naviera Armas 750.000 Euro überweisen. Die Regierung suche angestrengt nach Etatüberschüssen, um alle Fährunternehmen so schnell wie möglich bezahlen zu können. Auch Marrero begründete den Zahlungsverzug mit dem Haushaltsplan von 2010, in dem nur ein Viertel der nötigen Mittel bereitgestellt worden seien.

Sprichwörtlich im letzten Moment kamen am 5. November Vertreter der Regionalregierung und von Naviera Armas überein, die Verbindung aufrechtzuerhalten, jedoch die wöchentlichen Fahrten von drei auf zwei zu reduzieren.

Ausgerechnet El Hierro

Nachdem El Hierros touristische Unternehmer aufgrund der ungenügenden und unverlässlichen Transportverbindungen jüngst den Aufstand probten (das Wochenblatt berichtete), hätte die vollkommene Streichung der Naviera-Armas-Linie einen erneuten Rückschlag für die von der vulkanologischen Krise in Mitleidenschaft gezogene Inselwirtschaft und den Tourismus bedeutet.

Der Hotelverband Ashotel setzte sich Anfang November mit Vertretern von Fred. Olsen und BinterCanarias an einen Tisch, um gemeinsam nach Lösungen zu suchen. Die Experten kamen überein, dass El Hierro dringend eine langfristige Transportpolitik benötige. Nur ein fester und abgesicherter Verbindungsplan vermittle den Reiseveranstaltern und Urlaubern die nötige Sicherheit für eine Reise nach El Hierro.

In einer Pressemitteilung wies der Hotelverband jedoch auch darauf hin, dass ein Aufrechterhalten defizitärer Verbindungen – einige Fähren nach El Hierro sollen regelmäßig nur zu 14% ausgelastet sein – zu Situationen wie der jetzigen führe und den Unternehmen enorme Verluste beschere. Statt an einer täglichen Verbindung festzuhalten, sollte vielmehr praktisch gedacht und anhand der tatsächlichen Nachfrage geplant werden. Ashotel schlug vor, an den Freitag- und Sonntagnachmittagen feste Verbindungen zwischen Los Cristianos bzw. Las Palmas und Valverde, mit Zwischenstopp in Valle Gran Rey, einzurichten, um Wochenendtripps zu fördern.




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