Rebellion gegen Thomas Cook


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Hoteliers wehren sich gegen Ankündigung des Reiseveranstalters, 5% aller offenen Rechnungen einzubehalten

Die Ankündigung des britischen Reiseveranstalters Thomas Cook, bei allen offenen Rechnungen bis 31. Oktober fünf Prozent einzubehalten, um die Verluste durch die Aschewolke des isländischen Vulkans auszugleichen, hat bei den spanischen Hoteliers Empörung ausgelöst.

Auch auf den Kanarischen Inseln gingen die Betroffenen sofort auf die Barrikaden, denn sie empfinden die Maßnahme als ungerecht. Von verschiedenen Seiten wurde Kritik laut. Bemängelt wird vor allem, dass Thomas Cook seine Machtposition als marktführender Reiseveranstalter in Großbritannien ausnutze. Verschiedene Hoteliersverbände prüfen bereits die rechtliche Lage.

Auch das Tourismusressort Teneriffas hat sich zu dem Thema geäußert. José Manuel Bermúdez, Cabildo-Vizepräsident und Leiter des Ressorts Tourismus, bat im Auftrag der Inselverwaltung Thomas Cook in einem Schreiben darum, eine andere Lösung zu suchen, um die Verluste auszugleichen, die nicht die Hotelunternehmer belastet. Unmittelbar nach Bekanntwerden der diesbezüglichen Absicht des Reiseveranstalters setzte Bermúdez ein Schreiben an Thomas Cook-Präsident Manny Fontenla auf, in dem er den Rückzug der Maßnahme forderte. Die Behörden Teneriffas, so Bermúz, würden sich im Normalfall nicht in die Unternehmenspolitik der Reiseveranstalter einmischen. In diesem Fall jedoch, sei es dem Cabildo ein Anliegen, seine Besorgnis zum Ausdruck zu bringen.

Die kanarische Hotelbranche ist durch den Rückgang der Urlauberzahlen ohnehin in einer schwierigen Lage und könnte weitere Einbußen nur schwer verkraften. „2010 haben wir alle uns sehr angestrengt, um die Nachfrage anzukurbeln und nun endlich erkennen wir  Zeichen einer Erholung auf manchen Urlaubermärkten. Es handelt sich dabei aber lediglich um eine Steigerung der Urlauberzahl, die Rentabilität konnte kaum oder gar nicht verbessert werden. Deshalb halten wir es für nicht angebracht, dass Thomas Cook ohne Absprache von den Hoteliers diese Abzüge verlangt, die das ohnehin schon schlechte Jahresergebnis noch verschlimmern würden“, so Bermúdez.

In einer Mitteilung des Cabildos wird darauf hingewiesen, dass die Tourismusbehörde Turismo de Tenerife immer bemüht gewesen sei, alle Vorschläge von Thomas Cook hundertprozentig zu unterstützen um sicherzustellen, dass der Veranstalter immer ein gutes Ergebnis auf den Inseln erziele. Der Druck, den Thomas Cook aber nun auf die hiesigen Unternehmer ausübe, könne sich zu einem Problem für die guten Beziehungen entwickeln.

Kurz vor Redaktionsschluss verschäften die Hoteliers ihre Proteste und verschickten eine Pressemitteilung in der es hieß, dass sie Thomas Cook eine Frist von 48 Stunden einräumen, um die Maßnahme zurückzuziehen. Die Mitteilung wurde von allen vier Hotelierverbänden der Inseln unterzeichnet. Vertreter dieser Verbände und des spansichen Dachverbands der Hoteliers hatten sich tags zuvor in Madrid mit Verantwortlichen des Reiseveranstalters getroffen, um über den geplanten Discount von 5% zu verhandeln. Das Gespräch verlief aller­dings ergebnislos. Danach vertraten die kanarischen Hoteliers die einhellige Meinung, dass Thomas Cook seine Machtposition missbraucht. Die kanarischen Fachverbände hätten sich bislang keiner Fusion europäischer Reiseveranstalter entgegengesetzt, was zur Schaffung eines Oligopols geführt habe. Dass nun erstmals diese marktbeherrschende Stellung des Riesen Thomas Cook missbraucht wird, könne in Zukunft bewirken, dass sie ihre Einstellung dazu ändern.

2009 brachte Thomas Cook als britischer Marktführer knapp 850.000 Urlauber auf die Kanaren.




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