Politik und Wirtschaft kämpfen um vergünstigte Flughafengebühren


Nachdem die Bonifikationen am Jahresende eingestellt wurden, will Condor die Einführung neuer Flüge nach Los Rodeos (Teneriffa) noch einmal überdenken

Seitdem am Jahresende die Vergünstigung bei den kanarischen Flughafengebühren für expansive Fluggesellschaften eingestellt wurde, liefen Politik und Tourismussektor auf den Kanarischen Inseln Sturm und forderten von der Zentralregierung die Wiedereinführung der Bonifikationen, die zu dem Tourismus-Boom des vergangenen Jahres beigetragen haben.

Der Protest ist begründet, haben doch einige Fluggesellschaften schon die Streichung von Flügen bzw. einen Expansionsstopp angekündigt.

Zur Erläuterung: die vergünstigten Gebühren der kanarischen Flughäfen kamen u.a. den Airlines zugute, die gänzlich neue Verbindungen einrichteten und die Anzahl der Passagiere steigerten. Dadurch sollen den Fluggesellschaften im vergangenen Jahr mehr als 19 Millionen Euro Gebühren erspart worden sein. Doch die traditionellen Airlines kritisierten schon lange, dass die Bonifikationen insbesondere den Billigfluglinien zugute kämen, die gerade erst in den Markt einsteigen würden und daher noch Wachstumsmarge hätten.

Jedenfalls wurden die Anreize eingestellt, wohl auch, weil sich der neue Tourismusminister José Manuel Soria gegen die Beibehaltung ausgesprochen und erklärt hatte, wenn, dann sollten die Kanarischen Inseln diese selber finanzieren.

Daraufhin setzten sich Paulino Rivero, Präsident der Kanarischen Inseln, und Vertreter der Inselregierungen, Gemeinden, Handelskammern, Unternehmer- und Tourismusverbände am 25. Januar an einen Tisch. Nach dem Treffen wurde erklärt, die vergünstigten Flughafengebühren hätten zum Rekord bei den Passagierzahlen, dem Wachstum des Tourismus, der Schaffung von Arbeitsplätzen im Sektor und nicht zuletzt zum Anstieg der Einnahmen der Flughafenbetreibergesellschaft AENA beigetragen, sodass schlussendlich auch der finanzierende Staat profitiert hätte. Geschlossen forderte man von der Zentralregierung die Wiedereinführung der Bonifikationen.

Ein paar Tage später erklärte auch Teneriffas Cabildo-Präsident Ricardo Melchior, bei den Vergünstigungen handele es sich um ein bedeutendes „strategisches Instrument“, dessen Abschaffung sich negativ auswirken werde, denn Urlaubsziele wie Ägypten, Türkei, Tunesien oder die Karibik würden aggressive Preisstrategien fahren und seien nicht an die Vorgaben der Europäischen Union gebunden.

Ryanair erwägt Rückzug

Luis Fernández, Marketing-Leiter von Ryanair in Spanien, erklärte, die Fluglinie habe im vergangenen Jahr die Anzahl der Verbindungen auf 140 erhöht und 4,5 Millionen Passagiere auf die Kanaren gebracht. Er gab zu, Ryanair habe am meisten von den Vergünstigungen profitiert und ziehe nun Flugstreichungen in Betracht.

Fernández bestätigte, ohne die Vergünstigungen seien die Kanaren aufgrund zu hoher Flughafengebühren „nicht wettbewerbsfähig“.

Weniger Flüge nach Teneriffa

Die britische Fluggesellschaft Monarch kündigte bereits eine Einstellung von Flügen nach Teneriffa und einen Preisanstieg der Tickets an, sollten die vergünstigten Flughafengebühren nicht wieder eingeführt werden.

Condor nahm von ihren Expansionsplänen Abstand. Eigentlich wollte die deutsche Airline neue Flüge zum Nordflughafen Los Rodeos anbieten.

Teneriffas Inselregierung bedauerte beide Ankündigungen, denn im vergangenen Jahr brachte Monarch 11% (335.844 Fluggäste insgesamt) und Condor 10% (224.650 Fluggäste insgesamt) mehr Passagiere auf die Insel.




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