Mehr Stromnetzsicherheit gefordert


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Zu viele Stromausfälle auf den Kanarischen Inseln

Die Stürme des vergangenen Winters sorgten mehrmals dafür, dass auf dem kanarischen Archipel das Stromnetz zusammenbrach. Allein auf Teneriffa und auf La Palma waren es je drei „Apagones“ (Stromausfälle) bzw. „Ceros energéticos“ (Nullenergie), wie die Komplettausfälle auf spanisch genannt werden.

Ursachen

Die Ursachen dafür sind vielfältig. Einmal deckte der Sturm ein Dach im Kraftwerk ab, so dass der Regen Kurzschlüsse verursachte, ein anderes Mal waren es Wartungsarbeiten, die zu einem falschen Wiederanschluss bestimmter Transformatoren führten, und vor einigen Jahren hatte der Sturm „Delta“ gleich reihenweise marode Hochspannungs­masten flachgelegt. Schon im März 2007 hatte man wegen des Renovierungsbedarfs kanarischer Stromnetze den „Plan energético de Canarias“, kurz „PECAN“, beschlossen. Dieser sieht neben den dringend nötigen Erneuerungen auch eine stärkere Einbeziehung erneuerbarer Energien vor.

La Palma schon wieder ohne Strom

Nachdem am 16. April La Palma schon wieder für vier Stunden im Dunkeln saß und UNELCO-ENDESA, der spanisch-kanarische Stromerzeuger, auch eine Woche später noch nicht einmal den Grund dafür kannte, schlugen die Wellen der Empörung ein weiteres Mal hoch.

Der Einzelhandelsverband klagte über Umsatzeinbußen und drohte mit Schadenersatzklagen, und die zahlreichen Proteste der Palmeros zwangen die Politiker, sich im kanarischen Parlament mit dem Zustand der Stromversorgung auseinanderzusetzen. Dabei wurde klar, dass der PECAN erstens weit hinter seinem Zeitplan zurückhinkt, besonders was die Windenergie angeht, und zweitens dringend aktualisiert und angepasst werden muss, und das bevor er ausläuft, das heißt, innerhalb eines Jahres.

Nun ist ein Jahr sehr wenig für all die Aufgaben, die dringend gelöst werden müssen, besonders auf den Kanaren. Die Parlamentarier wiesen darauf hin, dass ohne den krisenbedingten Rückgang des kanarischen Stromverbrauches das Netz schon längst an seine Grenzen gestoßen wäre. Um so eiliger sei es, die erforderlichen Erneuerungen durchzuführen.

Inselspezifische Probleme

Das Problem der Kanarischen Inseln ist, dass, außer im Fall Lanzarote und Fuerteventura, zwischen den Inseln Stromtransport technisch nicht möglich ist. So muss jede Insel ihren eigenen Strom erzeugen, und wenn das Kraftwerk ausfällt, kann kein anderes dafür einspringen, wie das auf dem europäischen Festland im Verbundnetz einfach möglich ist.

Auch auf Teneriffa nutzt das zweite Kraftwerk von Granadilla wenig, wenn das Hauptkraftwerk von Las Caletillas ausfällt, denn das produziert nach wie vor 80 % des Stroms für Teneriffa. Deshalb soll die Insel bis 2020 ein drittes Kraftwerk bekommen, als möglichen Standort nannte ENDESA Güímar. Das Caletillas-Kraftwerk, das trotz mancher Renovierung als veraltet gilt, soll später durch ein neues ersetzt werden – allerdings frühestens in 15 Jahren, wie der ehemalige kanarische Industrieminister und derzeitige UNELCO-Sprecher Benicio Alonso unlängst der Presse mitteilte.

Auch viele Überlandleitungen und Umspannwerke müssen erneuert werden. Der Strom wird mit 220.000 Volt auf die Reise geschickt, denn je höher die Spannung, desto geringer sind die Verluste. Je näher am Endverbraucher, um so niedriger wird die Spannung: zunächst 66.000 Volt, dann 20.000 V und am Ende bleiben 380 V (Drehstrom) für Gewerbe und Haushalte. Umgesetzt wird der Strom in Transformatoren, doch möchte sie wegen der Magnetfelder (Elektro-smog) niemand in der Nähe haben. So kommt es, dass die Gemeinden nach sicherer Stromversorgung rufen, aber möglichst keine Fernleitungen oder Umspannwerke auf ihrem Terrain haben wollen.

Überall Verzögerungen

Es gibt noch einen weiteren Grund dafür, dass die Arbeiten am Stromnetz blockiert sind: Das gesamte Versorgungsnetz samt Überlandleitungen, das dem Stromerzeuger UNELCO gehörte, ging 2007 in die Hände des größten spanischen Netzbetreibers über, des „Red Eléctrica de España“ (REE).

 Die neue Eigentümergesellschaft muss nun die insgesamt 70 von UNELCO beantragten Projekte (Leitungen und Umspannwerke), 30 davon auf Teneriffa, neu beantragen, was sie nach Aussage von Benicio Alonso bisher versäumt hat.

Unter diesen Projekten ist beispielsweise die geplante Hochspannungsleitung von Chayofa nach Guía de Isora und von dort weiter nach Icod, die den „Inselring“ ein zweites Mal schließen soll, um so die Versorgunssicherheit zu verbessern. Was die Hoffnung auf erneuerbare Energien angeht, so meint Alonso, dass damit höchstens 30 % der Versorgung realistisch erreichbar wären. Derzeit beträgt die Quote der Erneuerbaren 4,5 % und hat sich somit in zehn Jahren kaum erhöht. Sinnvoll wäre hingegen eine Kampagne zum sparsamen Umgang mit Strom. Dadurch ließen sich 10 – 12 % einsparen, so Alonso. Die EU sieht vor, den Anteil der erneuerbaren Energien bis 2020 auf 20 % zu erhöhen, was auf den Kanaren durchaus erreichbar wäre, wenn auch nur unter massivem Einsatz öffentlicher Gelder.

Unterdessen versprach ENDESA, bis 2014 insgesamt 2,4 Milliarden Euro in die Stromversorgung der Kanaren zu investieren, unter anderem in die Modernisierung des Kraftwerks von Las Caletillas. Doch selbst wenn die erforderlichen Arbeiten zur Erneuerung der Stromversorgung demnächst in Gang kommen sollten, so müssen die Inseln doch mindestens bis 2014 mit der Möglichkeit von Totalausfällen leben, wie die Regierungskommission zur Reform des PECAN meinte. Ein Vorrat an Kerzen und Batterien fürs Radio sollte man auf den Kanaren also stets griffbereit haben.




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