Lladró verkauft an PHI


Die Preise für die kunstvollen Lladró-Porzellanfiguren bewegen sich in der Größenordnung von mehreren Hundert bis zu mehreren Tausend Euro. Foto: EFE

100% der weltbekannten Porzellanmanufaktur gehen an einen Private Equity Fonds

Valencia – Die Unternehmerfamilie Lladró, Hersteller hochwertiger Porzellanfiguren, hat sich nach längerem Hin und Her entschlossen, sich von der weltberühmten Porzellanmanufaktur gleichen Namens zu trennen. Die Generalversammlung der Aktionäre von Sodigei, dem Stammhaus des weltbekannten Porzellanfabrikanten, hat in der ersten Januarwoche den Verkauft von 100% der Aktien von Lladró SAU beschlossen. Käufer ist der spanische Investmentfonds PHI Industrial, der darauf spezialisiert ist, Unternehmen aufzukaufen, die in Schieflage geraten sind.

Dies trifft auf Lladró zu. Das Unternehmen hatte im Jahr 2015 Verluste von 38 Millionen Euro zu verzeichnen. Dem gegenüber stand ein Lagerbestand unverkaufter Figuren im Wert von 30 Millionen Euro. Diese Situation zwang die Gesellschaft im vergangenen Jahr, 268 Mitarbeiter zu entlassen, 40% der Gesamtbelegschaft, nachdem zuvor schon mehrere Jahre hintereinander Kurzarbeit nötig wurde, um die Produktion zu reduzieren.

PHI hat versichert, die Produktion in der Ortschaft Tavernes Blanques bei Valencia zu belassen und die verbleibenden Mitarbeiter zu übernehmen. Der Stil von Lladró soll beibehalten und zudem neue Designs eingeführt werden, die dem Geschmack breiterer Konsumentengruppen entsprechen. Das Übereinkommen beinhaltet, dass PHI Eigentümer der Marke und der Produktionsanlage wird, nicht aber der Immobilien der Unternehmensgruppe, die einer anderen Gesellschaft der Familie (Rosal SL) gehören. So bleiben die Büros und verschiedene Werkstätten, welche die sogenannte „Porzellanstadt“ bilden, im Eigentum der Familie Lladró, welche diese für mindestens zehn Jahre an PHI vermietet.

Gründung in den Fünfzigerjahren

Lladró wurde 1953 von den drei Brüdern Juan, José und Vicente Lladró gegründet. Sie stammten aus einer einfachen Landarbeiter-Familie und begannen zunächst mit der Herstellung von Vasen und Kannen aus Porzellan mittels eines kleinen Brennofens im Hinterhof ihres Hauses im Dorf Almàssera. Von dort aus errichteten sie ihr Firmenimperium und damit eine der weltweit bekanntesten Marken Spaniens.

Unstimmigkeiten über die Geschäftsführung, ein typisches Problem von Firmen in der zweiten Generation, hatten großen Einfluss auf die Entwicklung des Familienunternehmens in den letzten Jahren. Insbesondere mit den Terroranschlägen vom 11. September 2001 und den darauffolgenden wirtschaftlichen Verwerfungen begann aus der Sicht der Lladrós der Abstieg des Unternehmens.

Offiziell traten die drei Brüder  im Jahr 2003 in den Ruhestand. Tatsächlich jedoch gaben sie weiterhin den Ton an, und der Verkauf wurde letztendlich durch den über neunzigjährigen Juan, den Ältesten der drei Gründer, bestimmt. Juan Lladró gilt als der unternehmerischste der Brüder und war größtenteils für die Expansion des Porzellanherstellers in die USA verantwortlich.

Im Jahr 2007 teilten die Brüder das Unternehmen auf, und Juan Lladró übernahm als Meistbietender 70% der Aktien der Vermögenseinheit, zu der auch die Porzellanfabrik gehört. Obwohl das Eigentum der Anteile auf seine vier Kinder überging, behielt der Vater den Nießbrauch und damit die Macht im Unternehmen.




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