Leichte Verbesserung des Arbeitsmarktes


Dennoch hält die soziale Krise weiter an

Auf dem Arbeitsmarkt zeichnet sich ein leichter Hoffnungsschimmer ab. Die neuesten Daten des Ministeriums für Arbeit und Sozialversicherung belegen, dass die Zahl der beim Arbeitsamt als arbeitslos Gemeldeten im Mai im Vergleich zum Vorjahresmonat um 8,2% auf 251.941 gesunken ist, im Vergleich zu April allerdings nur um 0,8%. Allerdings handelt es sich bei fast 90% der im Mai neu eingegangenen Arbeitsverhältnisse um zeitlich begrenzte Verträge.

Der Soziologe José Saturnino García wies im Interview mit Radio El Día auf die Zunahme des „Prekariats“ hin, also der sozialen Gruppierung, die durch Unsicherheit der Erwerbstätigkeit und Gefährdung der Lebensverhältnisse gekennzeichnet ist. Dies begründe sich im starken Anstieg „schwacher“ Arbeitsverhältnisse, sprich in der Zunahme zeitlich begrenzter Anstellungen oder dem ständigen Wechsel zwischen Arbeitslosigkeit und entgeltlicher Tätigkeit. 

Obwohl unter den Wirtschaftszweigen im Dienstleistungssektor und Bauwesen weiterhin die höchsten Arbeitslosenzahlen verzeichnet werden, 188.018 bzw. 32.815, erlebten diese Sektoren im Mai den stärksten Rückgang der als arbeitslos gemeldeten Personen. So ging die Zahl im Dienstleistungsbereich um 583 und im Bauwesen sogar um 1.142 Personen zurück. In der Industrie sank die Zahl der Arbeitslosen um 158 auf 11.087, in der Landwirtschaft um 148 auf 5.899.

Trotz dieser positiven Zahlen ist das soziale Drama weiterhin erschreckend groß. Über 250.000 Menschen sind beim Arbeitsamt als erwerbs­untätig und arbeitsuchend gemeldet. Weiterhin wurde bekannt, dass die Hälfte der Arbeitslosen das Anrecht auf eine staatliche Unterstützung verloren hat und vollkommen erwerbslos ist. 

Wie dramatisch die Lage ist, zeigte sich beispielhaft Anfang Juni. Die Schwimmbadanlage Parque Marítimo in Santa Cruz hatte öffentlich angekündigt, 25 Personen für Posten diverser Art – Kassierer, Rettungsschwimmer, Wartungspersonal, … – für die Sommersaison einzustellen. Die Interessierten hatten einen Tag Zeit, ihre Unterlagen abzugeben. Schon Stunden vor der Öffnung bildete sich eine lange Menschenschlange vor dem Eingang, die den ganzen Tag über anhielt. Unter der Menschenmasse befanden sich Studenten, arbeitslose Mütter und Väter, junge Menschen, Senioren, … . Alle verzweifelt, mit einem Fünkchen Hoffnung. Nur 25 Posten waren ausgeschrieben.




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