Karte für Offshore-Windparks für die Kanaren liegt vor


© Siemens

Im Jahr 2020 könnten Windkraftanlagen im Atlantik 30% des Strombedarfs der Kanaren decken

Die Vorteile liegen deutlich auf der Hand. Offshore-Windparks würden das knappe – und kostbare – Land der Kanaren nicht beeinträchtigen; und außerdem erzeugen diese Anlagen aufgrund der andersartigen Windverhältnisse auf dem Meer rund 20% mehr Energie als Windparks auf dem Land.

Madrid – Dagegen sprechen Argumente wie: Der Umwelteinfluss dieser Plattformen ist umstritten, die Fischerei würde leiden, die Küste der Kanaren fällt größtenteils steil ab, was eine Verankerung der aller-meisten Plattformen verhindert. Demzufolge müssten die Plattformen ohne Verankerung installiert werden. Das stellt sich zumindest der Laie dann doch recht seltsam vor: Windpark-Plattformen, die frei im Meer herumdümpeln und lediglich durch die Unterseekabel, über die der erzeugte Strom zum Land transportiert wird, sozusagen angebunden sind.

Offensichtlich scheint das aber durchaus möglich, denn inzwischen ist auch die Rede davon, den Großteil der für die Kanaren angedachten Offshore-Windparks frei, also unverankert, zu plazieren. Noch hat sich die kanarische Regierung selbst nicht sonderlich für derartige Projekte aus dem Fens­ter gelehnt. Im neuen, 265 Seiten starken Energieplan der Kanaren Pecan ist nur ein einziger Absatz dem Thema Off­-shore-Windparks gewidmet. Da wird dieses Problem kurz und bündig auf den Punkt gebracht: „Das große Problem der Offshore-Windparks liegt darin, dass diese in Gewässern von geringer Tiefe installiert werden müssen, und die sind auf den Kanaren sehr wenig vorhanden.“

Allerdings wurde inzwischen eine Karte ausgearbeitet, auf der die Punkte verzeichnet sind, an denen Offshore-Windparks installiert werden könnten. Ausgeschlossen sind hier in jedem Fall die Naturschutzgebiete Banco Concepción und Estrecho de la Bocaina von Fuerteventura, Sur-Banquete von Gran Canaria, das Gebiet zwischen Teneriffa und La Gomera sowie die Walgebiete. Die restlichen Küsten der Inseln sind in der Karte praktisch alle gelb oder grün markiert.

Von seiten des spanischen Staates wurde die Küste von Candelaria-Güimar, von El Médano-Los Abrigos, von Puerto de la Cruz bis Teno, die Küste vor Punta del Hidalgo und Roque Bermejo-Punta de Anaga und Antequera als faktibel ausgewiesen.

Vom Ingemar-Team der Universität La Laguna verlautet dazu, dass alle diese Punkte, mit Ausnahme von Puerto de la Cruz, durchaus geeignet seien, „weil die durchschnittlichen Tiefen nicht mehr als 50 Meter betragen.“ In diesen Gebieten könnten die Plattformen also problemlos verankert werden.

Prof. Feliciano García von der Universität La Laguna versichert hierzu, unter Berücksichtigung des Einflusses der Passatwinde auf den Archipel sei eine Ausdehnung der Off-shore-Windparks von 140 qkm erforderlich, um die Inseln mit Strom zu versorgen. Das Ingemar-Team arbeitet seit Jahren an Studien über simultane Nutzungsmöglichkeiten von Wind und Wellen. Im Hinblick auf die Finanzierung der Offshore-Windparks ist hier die Rede von vier Milliarden Euro plus einer Milliarde Euro für die Anlage zur Umwandlung der Energie in Wasserstoff zur Speicherung.

Feliciano García ist so überzeugt vom Erfolg der Windparks im Ozean, dass er dafür plädiert, alle Windgeneratoren an Land abzuschaffen und die Stromerzeugung durch Windenergie voll und ganz offshore zu verlegen. Er ist der Ansicht, dass es mit dem durch Plocan eingeleiteten Weg der Nachhaltigkeit durchaus möglich ist, bis im Jahr 2020 sogar 30% des Stroms für die Inseln aus gigantischen Offshore-Windparks im Atlantik zu schöpfen.

In einem Bericht des spanischen Umweltministeriums heißt es: „Offshore-Windenergie ist eine der vielversprechendsten erneuerbaren Energiequellen für das EU-Ziel der Unabhängigkeit vom Öl.“ Schon vor Jahren hat Greenpeace einen Bericht veröffentlicht, demzufolge Spanien noch vor dem Jahr 2050 zum Strom-Selbstversorger werden könnte, „wenn die Politiker sich dafür starkmachen.“




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