Kanarischer Wein tief in der Krise


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Absatz ist um 80% zurückgegangen

Gehören Sie zu den Liebhabern kanarischer Weine, die sich bei ihrer Lieblingskellerei regelmäßig eindecken, um Ihren Gästen jederzeit einen feinen Tropfen Inselwein kredenzen zu können? Dann sei Ihnen an dieser Stelle ein Lob für die Treue zu einem im Verhältnis eher teuren Wein ausgesprochen. Denn für den Wein von den Kanarischen Inseln gilt: Qualität hat ihren Preis.

Der Kassenwart der Genossenschaft der Weinbauern und Kellermeister der Kanaren (Avibo), Jesús Corvo, beteuert, dass der Absatz von Weinen mit Herkunftsbezeichnung Kanarische Inseln um 80% zurückgegangen ist. „Es handelt sich um das schlechteste Jahr in puncto Verkauf seit 15 Jahren“, klagt er.

Einer der Hauptgründe für den drastischen Verkaufsrückgang und die„kritische“ Lage der Inselweine soll laut Corvo die Einfuhr von 60 Millionen Liter Wein vom spanischen Festland zu sehr günstigem Preis sein. Mit diesen Niedrigpreisen können die Weine von den Inseln natürlich nicht mithalten.

Außerdem spiele auch eine Rolle, dass die großen Supermärkte ein Riesenangebot an Weinsorten und -marken offerieren, zum Teil mehr als 400, wodurch die Konkurrenz für die kanarischen Produzenten immer stärker wird. Ein weiteres Problem sei, dass bei Weineinfuhr vom spanischen Festland praktisch keine Steuer anfalle, während die hiesigen Produzenten für importierte Betriebsmittel sehr wohl 20% Steuer entrichten müssen. Auf ausländische Biere werden übrigens auch 20% erhoben.

Des Weiteren sei auch das Verbot für Flüssigkeiten in Flugzeugen für einen Rückgang der Verkaufszahlen verantwortlich, urteilt Corvo. Dadurch, dass die Urlaubsgäste die Weinflaschen nicht mehr problemlos in der Kabine mit sich führen dürfen, sei der Verkauf um 10% zurückgegangen, behauptet er. Hinzu komme die Verschärfung der Alkoholkontrollen im Straßenverkehr, wodurch auch im Gastronomiegewerbe weniger Wein konsumiert werde. „Wir sind nicht gegen dieses Gesetz, denken jedoch, dass es anders angewendet unserem Sektor weniger schaden würde“, so Corvo.

Im vergangenen Jahr wurden bei der Weinlese auf den Inseln acht Millionen Kilo Trauben geerntet, was sieben Millionen Litern entspricht. Bislang sind nur 20% davon verkauft. Hinzu komme, dass ein Teil der Trauben sogar in den Weinbergen blieb, weil sich angesichts der schlechten Lage keine Abnehmer fanden.

„Das Jahr 2009 wird furchtbar für diesen Sektor werden“, prognostiziert die Genossenschaft Avibo. Zahlreiche Weinbauern hätten ihre Weinberge in Anbetracht der schlechten Rentabiliät schon aufgegeben, und diejenigen, die sich weiterhin dem Anbau und der Produktion von Wein widmen, täten dies nur noch aus reiner Familientradition, denn ein lohnendes Geschäft ist es längst nicht mehr.

Cabildo rührt die Werbetrommel

Auf Teneriffa hat das Cabildo über das Amt für Landwirtschaft in der Weihnachtszeit kräftig die Werbetrommel für die Inselweine gerührt. Verbraucher sollten animiert werden, zu ihren Weihnachts- und Silvestermenüs Teneriffa-Wein zu servieren. Der Leiter des Landwirtschaftsressorts der Insel, José Joaquín Bethencourt, erinnerte daran, dass der Kauf von lokalem Wein zum Erhalt der landwirtschaftlichen Produktivität, der Landschaft und der Kultur beiträgt.

Über die Kellerei Bodegas Insulares hat das Cabildo eine Aktion zur Verkaufsförderung umgesetzt. Bei Weihnachtseinkäufen in Geschäften an der Avenida de la Trinidad in La Laguna erhielten die Kunden je nach ausgegebenem Geldbetrag Punkte, die gesammelt und später im Weinhandelsgeschäft von Viña Norte bei der Plaza de la Concepción eingelöst werden konnten. Fleißige Sammler erhielten für 60 Punkte eine Geschenkkiste mit zwei Flaschen Rotwein – Viña Norte und Brezal.

Ungleiche Verteilung der EU-Fördergelder

Weinbauern und Kellermeister der Inseln beschweren sich über die ihrer Ansicht nach ungerechte Zuteilung der EU-Fördergelder für die Land- und Viehwirtschaft. 141 der insgesamt 199 Millionen Euro, die von der EU für den Primärsektor zur Verfügung stehen, fließen in die Bananenproduktion. Obwohl der Weinanbau 36% der bewirtschafteten Fläche auf den Kanaren belegt und in direkter Weise 18.000 Menschen beschäftigt, erhalten die Weinerzeuger weniger als 2,5 Millionen Euro EU-Gelder im Jahr.

„Wenn sich hier nicht schnell etwas ändert, sind unsere Tage gezählt“, gibt Jesús Corvo von Avibo zu bedenken. Da nun die kanarische Regierung selbst für die Verteilung der Fördergelder zuständig ist, sei zu erwarten, dass eine gerechte Zuteilung erfolgt, hofft er. „Wir kämpfen seit über einem Jahr dafür und werden, wenn sich nicht bald etwas ändert, bei der EU Anzeige gegen die ungerechte Verteilung der Subventionen durch die kanarische Regierung erstatten“.




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