Drama in doppelter Hinsicht


Bis zu 7.000 kanarische Familien verloren 2010 ihr Heim

Bis zu 7.000 kanarische Familien haben laut vorläufiger Daten im vergangenen Jahr ihr Heim verloren, weil sie die Hypothek nicht mehr bezahlen konnten.

Das hat jetzt der kanarische Verband der Nutzer finanzieller Dienstleistungen, Ausbanc, bekannt gegeben. Besonders schwerwiegend sei in diesem Zusammenhang, so ein Sprecher der Vereinigung, dass die meisten nicht nur ihre Wohnung verloren haben. Aufgrund der geringen Taxierung seitens des verantwortlichen Kreditinstitutes, die häufig weit unter dem Kaufpreis liegt, müssen die betroffen Familien auch noch über Jahre hinweg weiter für eine Immobilie bezahlen, in der sie weder wohnen können, noch dass sie ihnen jemals gehören wird.

Ausbanc fordert deswegen die dringende Reform der Zivilprozessordnung sowie des Hypothekengesetzes. „Diese Gesetze müssen geändert werden“, ließ Ausbanc wörtlich verlauten, „auch wenn der Minister für Inslandsentwicklung nichts davon hören will, weil er eine Destabilisierung des Finanzsystems befürchtet.“

Die derzeitige Gesetzeslage, die bewirkt, dass Tausende Familien auf der Straße landen, ist nach Angaben von Ausbanc „schlicht und ergreifend ungerecht“. „Da wird man dazu gebracht, sich ein Leben lang zu verschulden und mit dieser Schuld auch noch bis ins Grab verfolgt“, so der Ausbanc-Sprecher Jerónimo Barrera. „Man muss weiterzahlen, obwohl man nicht mehr darin wohnen darf“. In Ländern wie Frankreich werde, wenn der Kunde seine Hypothek nicht mehr bezahlen kann, einfach die Immobilie an die Bank übergeben und der Kunde beginnt wieder bei null. In Spanien hingegen ist der Kunde ein für alle Mal stigmatisiert. Die Bank hingegen behalte die Immobilie sowie die bislang geleistete Abzahlung, und das, obwohl die Immobilie höchstens auf die Hälfte des Werts taxiert wird, der einst für die Hypothek festgelegt wurde. Will ein säumiger Hypothekenzahler seine Immobilie zurückkaufen, muss er die Schulden mit Zinsen sowie die zusätzlichen Kosten wegen der versäumten Zahlungen übernehmen.




Über Wochenblatt

Das Wochenblatt erscheint 14-tägig mit aktuellen Meldungen von den Kanaren und dem spanischen Festland. Das Wochenblatt gilt seit nunmehr 36 Jahren als unbestrittener Marktführer der deutschsprachigen Printmedien auf den Kanarischen Inseln.