Der kanarische Warenkorb gehört zu den teuersten Spaniens


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Die Stange Brot kostet durchschnittlich 1,20 Euro, in Albacete nur 40 Cent

Was die Bevölkerung und die Residenten schon seit langem vermuten, wurde jetzt durch eine Studie des Internetportals Kelisto.es bestätigt: der kanarische Warenkorb gehört zu den teuersten Spaniens. Andererseits fallen die Gehälter im landesweiten Vergleich gering aus. Die beiden Provinzhauptstädte rangieren auf den ersten fünf Plätzen der Ortschaften mit dem teuersten Warenkorb zusammen mit den reichsten Städten Nordspaniens.

An erster Stelle steht Bilbao, wo der Lebensmitteleinkauf im Jahr mit 7.250 Euro zu Buche schlägt. Gleich an zweiter Stelle steht Las Palmas de Gran Canaria mit 7.200 Euro, gefolgt von San Sebastián, Pamplona und Santa Cruz de Tenerife mit 7.040 Euro. Der spanische Schnitt liegt bei 6.760 Euro.

So ist die Stange Brot, ein typisches Grundnahrungsmittel, in der Provinz Santa Cruz de Tenerife nach Mallorca (1,25 Euro) spanienweit mit durchschnittlich 1,20 Euro am teuersten. Am anderen Ende steht Albacete, wo man für nur 40 Cent eine Stange Brot bekommt.

Dass der kanarische Warenkorb zu den teuersten Spaniens gehört, ist nichts Neues. Die aktuelle Studie von Kelisto.es beruht auf den neuesten Daten der Verbraucherschutzorganisation OCU, die bereits seit Jahren die kanarischen Provinzhauptstädte zu den teuersten zählt.

Auf der anderen Seite gehören die Durchschnittsgehälter in beiden Provinzen zu den niedrigsten Spaniens. Während landesweit das Jahresgehalt bei 24.369 Euro liegt, belegen Santa Cruz de Tenerife mit einem Durchschnittslohn von 22.729 Euro nur den 39. und Las Palmas de Gran Canaria mit einem Durchschnittslohn von 22.620 Euro gar den 45. Platz von insgesamt 52. Zum Vergleich: in San Sebastián kostet der Warenkorb 7.130 Euro, – ist also um 70 Euro billiger als in Las Palmas und um 90 Euro teurer als in Santa Cruz –, doch wird hier im Schnitt ein Jahresgehalt von 30.549 Euro gezahlt, – 7.929 Euro mehr als in Las Palmas und 7.820 Euro mehr als in Santa Cruz.

Mieten, Abgaben, Taxifahren und Benzin sind günstiger

Die Studie hat auch die Kosten für Wohnung, Abgaben, Transport und Freizeit in den spanischen Provinzhauptstädten unter die Lupe genommen. Dabei schneiden die beiden kanarischen Provinzhauptstädte jedoch besser ab, als bei den Kosten des Warenkorbs.

So liegen die Mieten in Las Palmas mit durchschnittlich 385 Euro auf Platz sechs der günstigsten Wohnungen. In der Hauptstadt Gran Canarias bezahlen die Einwohner mit 65 Euro im Jahr sogar spanienweit die geringsten Gemeindeabgaben; Santa Cruz liegt auf Platz sechs mit 126 Euro im Jahr. Der Bustransport in Las Palmas ist wiederum mit 1,40 Euro pro einfache Fahrt relativ teuer, das Taxifahren dagegen mit 4,22 Euro für eine 4-km-Fahrt relativ günstig. Freizeitaktivitäten in Santa Cruz, wie der Kinobesuch für 7,20 Euro oder ein Essen auswärts zu zweit für 43 Euro, sind wiederum vergleichsweise teuer. Der Spritpreis jedoch gehört weiterhin zu den günstigsten des Landes – nur in Melilla kostet das Benzin weniger.

Warum sind die Lebensmittel dermaßen teuer?

Mit der Öffnung des Europäischen Binnenmarktes und der Einführung des freien Warenverkehrs im Jahr 1993 wurden den Kanarischen Inseln aufgrund ihrer Abgelegenheit und der Notwendigkeit, die lokale Produktion vor der Einfuhr von Billigprodukten zu schützen, zwei Korrekturinstrumente zugestanden. Zum einen wurde die Importabgabe AIEM geschaffen, mit der alle eingeführten Waren belegt werden, zum anderen der Subventionsfonds REA eingerichtet, mit dessen Subventionen im Warenkorb enthaltenen Grundnahrungsmitteln zugute kommen.

Trotzdem ist der kanarische Warenkorb teuer. Andrés Calvo, Präsident des kanarischen Industrieverbandes Asinca, erklärte gegenüber einer Tageszeitung die möglichen Gründe. Demnach seien nicht alle Grundnahrungsmittel im Warenkorb enthalten und würden somit auch nicht vom Subventionsfonds REA unterstützt. Darüber hinaus sei der Transport zwischen den Inseln weiterhin sehr teuer und würde nur mit 12% gefördert mit der Folge, dass der Warenkorb auf den kleineren Inseln noch einmal teurer werde.

Das hat zur Folge, dass der Lebensmitteleinkauf für viele kanarische Familien angesichts der verbreiteten Arbeitslosigkeit, der finanziellen Not und der hohen Preise oftmals eine kaum zu bewältigenden Herausforderung ist.

Tipps

Schon vor der Krise hat die Verbrauchervereinigung UCE einige Tipps veröffentlicht, um den teuren Warenkorb bezahlen zu können. Vor allem raten die Konsumentenvertreter zum wöchentlichen Einkauf, zur vorhergehenden Aufstellung einer Einkaufsliste und zu deren Einhaltung.




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