Der Bau ist am Boden


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Unternehmenspleiten und Tausende Arbeitslose

Wie überall in Spanien liegt auch auf den Kanaren die Bauwirtschaft am Boden. Die geplatzte Immobilienblase und die weltweite Wirtschaftskrise haben dem Sektor fast den K.o.-Schlag versetzt. Dessen Beitrag zum Bruttoinlandsprodukt (BIP) und zur Beschäftigungslage ist daher enorm gesunken.

Auf allen Inseln gibt es zahlreiche Bauvorhaben, die der Krise zum Opfer gefallen sind. Halbfertige, aufgegebene Neubauten sind allenthalben zu sehen und verfallen nach und nach. Alle Wirtschaftssektoren haben unter der seit 2007 andauernden Krise gelitten, doch den Bau hat es am schlimmsten getroffen. Nach den neuesten Daten des Nationalen Statistikinstituts (INE) trug der Sektor noch im Jahr 2008 mit über 4,7 Milliarden Euro zum kanarischen BIP bei, Ende 2012 waren es nur noch 3 Milliarden Euro, sprich 36% weniger. Der Anteil am BIP sank von 11% auf 7%.

Viele Faktoren haben zusammengespielt. Zu viel war gebaut und nicht verkauft, Kredite und Hypotheken waren leichtfertig vergeben worden. Dann kam die Krise und sowohl Unternehmen als auch die Banken blieben auf den Objekten sitzen. Zuvor zahlungsfähige Kreditnehmer konnten auf einmal die Hypothek nicht mehr bedienen und mussten die Immobilie an die Bank abgeben. Das Angebot stieg stetig, doch die Nachfrage wurde durch die allgemeine Krise geschmälert. Die Banken saßen hier immer noch am längeren Hebel – und den Bauunternehmen im Nacken; viele konnten die Kredite bald nicht mehr bedienen. Private Investitionen wurden nicht mehr getätigt und Kredite nicht mehr vergeben, und bald hofften die Bauunternehmen nur noch auf öffentliche Aufträge. Doch im Rahmen des allgemeinen Sparzwangs schob die Verwaltung öffentlichen Bauvorhaben einen Riegel vor, was einem Todesurteil für den Sektor gleichkam. Man kämpfte, doch schlussendlich blieben zahlreiche Unternehmen auf der Strecke.

Während 2008 die Branche noch 105.300 Personen direkt beschäftigte, waren es 2011 nur noch 55.300. Das sind mehr als 50.000 persönliche Schicksale – an denen viele Familien hängen –, denn gerade die im Bau beschäftigten Personen haben es oftmals schwer, wieder auf dem sowieso schon schwer umkämpften Arbeitsmarkt Fuß zu fassen, entweder wegen des Alters, hauptsächlich jedoch wegen fehlender Qualifikation außerhalb des Baugewerbes.

Derzeit halten sich die Unternehmen, die noch nicht zugrunde gegangen sind, mit Renovierungen und Instandsetzungen von privaten Immobilien und Hotels über Wasser. Der Bauunternehmerverband Fepeco jedenfalls vertritt die Meinung, auch in Zukunft werde diese Tätigkeit einen Teil des Baugeschäftes ausmachen. Daneben hofft der Verband, dass mit der wirtschaftlichen Erholung auch wieder öffentliche und private Bauvorhaben in Auftrag gegeben werden.




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