„Das Wort mañana konnten wir nicht mehr hören“


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ZEC-Unternehmer Michael Urban berichtet über seine Erfahrungen mit der kanarischen Sonderzone

Frage: Womit beschäftigt sich Ihr Unternehmen?

Antwort: Die Firma logiprint verkauft verschiedene Drucksachen über das Internet. Angefangen von Visitenkarten über Briefbögen hin bis zu Prospekten und Broschüren. Unsere Kunden bestellen die verschiedenen Drucksachen über unseren Onlineshop. Dort können sie Preise errechnen, Visitenkarten oder Einladungskarten in drei Minuten gestalten und aufwendige Bücher kalkulieren. Wir sind in sieben europäischen Ländern aktiv und planen weitere fünf Länder noch in diesem Jahr. So ist unsere Seite in Deutschland unter www.logiprint.com und in Spanien unter www.logiprint.es erreichbar. Der Verkauf und der Kundensupport erfolgen direkt über die Kanarischen Inseln. Logiprint ge­hört damit zu den fünf größten Onlinedruckereien der Welt.

F.: Was für eine Bilanz können Sie bis jetzt aus Ihrer unternehmerischen Erfahrung ziehen?

A.: Angefangen habe ich 1986 mit einem kleinen Verlag, 1996 gründete ich dann den Internetbuchhändler buch.de, welchen ich 1999 erfolgreich an die Deutsche Börse gebracht habe. 2002 haben wir dann logiprint als Onlinedruckerei gestartet.

F.: Wie kommt es, dass Sie sich für die Kanarischen Inseln entschieden haben?

A.: Wir besuchen Gran Canaria seit über sieben Jahren als Urlauber. Die Insel hat meine ganze Familie verzaubert und wir entdecken auch nach vielen, vielen Besuchen immer wieder etwas schönes Neues auf der Insel. Verbunden mit den steuerlichen Vorteilen haben wir uns dann entschieden, aus unserem Urlaubsort auch einen Arbeitsort zu machen. So besuchen wir Gran Canaria nun während aller deutschen Schulferien und verbinden diese vielen Tage Urlaub mit ein wenig Arbeit in der Sonne. 

F.: Wie haben Sie von der Kanarischen Sonderzone (ZEC) erfahren?

A.: Unser Steuerberater Johannes Inderwisch aus Ibbenbüren hat uns von dieser Möglichkeit der Unternehmensexpansion erzählt und uns beraten. Er ist ein echter Experte für das Thema Kanarische Inseln.

F.: Welche Vorteile hat es Ihnen gebracht, der Kanarischen Sonderzone anzuge­hören? Welche Einschränkungen oder Beschränkungen hat sie Ihrer Meinung nach?

A.: Die Vorteile liegen mit den niedrigen Steuern klar auf der Hand. Dazu gibt es nichts zu ergänzen. Anfangs haben wir aber auch eine Menge Probleme gehabt. Bisher kannten wir die Insel nur als Urlauber, nun hatten wir das erste Mal Kontakt mit den Behörden und mit Anwälten etc. Dort wird man leider nicht so behandelt wie in den schönen Hotels auf den Inseln. Die Uhren gehen auf den Kanarischen Inseln schon ein wenig anders. Nicht unbedingt schlechter, aber auf jeden Fall anders. Als typischer Deutscher ist man es gewohnt, dass Termine genau eingehalten werden und alles auch sofort erledigt wird.  Das Wort, das wir in der Gründungsphase wirklich nicht mehr hören konnten war, mañana. Jeder zweite Satz beginnt mit mañana. Wir wollten am Anfang vielleicht auch zuviel und auch zu schnell. Nach fast einem Jahr verfügen wir nun über viel besser Kontakte, wissen wo man was bekommt und wir wissen auch, dass man etwas längerfristig planen muss. Vieles läuft nun einfacher und schneller.

F.: War das Genehmigungsverfahren zur Aufnahme in die ZEC sehr kompliziert? Was denken Sie über die Beratung und Genehmigungskriterien der Projekte? Und über die Vorteile, die sich Ihnen als ZEC-Unternehmen bieten?

A.: Das Genehmigungsverfahren bei der ZEC ist nicht komplizierter als andere Verfahren auch. Die Formulare liegen in deutscher Sprache vor, so dass eine Bearbeitung relativ schnell möglich ist. Wir haben nette und umfangreiche Hilfe vom ZEC-Team bekommen. Die eigentliche Genehmigung hat auch nicht sehr lange gedauert. 

F: Und zum Abschluss, welche Ratschläge würden Sie einem deutschsprachigen Unternehmer geben, der mit dem Gedanken spielt, ein Unternehmen auf den Kanaren zu gründen?

A.: Neue Unternehmer sollen auf jeden Fall die Hilfe der ZEC in Anspruch nehmen und sich auch persönlich vor Ort etwas Zeit nehmen. Einfach mal schnell, schnell und Zack ist hier nicht angesagt. Dabei verliert man doch zuviel Nerven. Geduld ist der beste Freund bei der Planung und Durchführung. Später läuft dafür alles um so besser.  Wichtig ist auch ein sehr guter Anwalt vor Ort, der Deutsch spricht. Am besten kein Anwalt aus den Touristenhochburgen, sondern ein Anwalt aus den Hauptstädten. Aber auch hier gilt nicht unbedingt, umso besser der Name der Anwaltskanzlei umso besser der Anwalt. Gute kleinere und mittlere Anwälte sind durchaus zu finden. Lassen Sie sich Referenzen einer anderen „Deutschen ZEC“ Firma geben. Scheuen Sie sich auch nicht, andere ZEC-Unternehmer anzusprechen. Vertrauen Sie aber auch nicht jedem Deutschen, den Sie auf der Straße treffen. Leider nehmen gerade viele Deutsche den Mund viel zu voll und ziehen Ihnen das Geld aus der Tasche.

Weitere Informationen über die ZEC erhalten Sie auch auf Deutsch bei:

www.zec.org

deutsch2@zec.org

Über Michael Urban

Michael Urban (Jahrgang 1971) zählt zu den erfahrensten Shop-Initiatoren im IT-Bereich.

Als Gründer des börsennotierten Online-Shops buch.de machte er sich bereits 1998 in der New Economy als Vorstand einer der deutschlandweit führenden Internet-Buchhändler einen Namen und gründete den Pergamon Verlag.

Heute ist er als Inhaber der Online-Druckerei logiprint.com im Begriff, seine virtuelle Erfolgsgeschichte fortzusetzen.




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