China-Importe unter der Lupe


Steuerprüfer betreten die Räume eines chinesischen Importhändlers im Industriegebiet El Carrús in Elche. Foto: EFE

Die Finanzbehörden führten eine spanienweite Aktion gegen Schwarzhandel, Zoll- und Steuerbetrug durch

Madrid – Die Steuerbehörde Agencia Tributaria hat Anfang des Monats eine groß angelegte Aktion gegen die Schattenwirtschaft im Bereich des Handels mit aus China eingeführten Waren durchgeführt. Im Morgengrauen des 8. Juni begannen über 370 Finanzbeamte mit der Durchsuchung von spanienweit 61 Lagerhallen.

Unter anderem wurden auch Gewerbehallen chinesischer Unternehmer im Industriegebiet von Cobo Calleja südlich von Madrid, das auch „der große chinesische Supermarkt Spaniens“ genannt wird, sowie in El Carrús, Elche, an der Südostküste der Iberischen Halbinsel und in Badalona Sud, Barcelona, durchgeführt. Es wurden Gewerbezentren in elf der 19 autonomen Regionen durchsucht, die über 50% der aus China importierten Waren ausliefern.

Die Steuerprüfer suchten in den Dokumenten und der Buchführung der betroffenen Unternehmen Beweise für Steuerhinterziehung und Geldwäsche. Insgesamt wurden 66 Firmen kontrolliert, doch da es sich um Verwaltungsverfahren handelt, wurde niemand verhaftet.

Die Finanzbeamten gehen davon aus, dass die Unternehmer ihre Waren beim Zoll regelmäßig unter Wert deklariert haben, um weniger Zollgebühren und Mehrwertsteuer zu zahlen. Hinzu kommt noch der spätere Schwarzverkauf.

Der Operation Dragón, wie die Aktion intern genannt wurde, gingen sechs Monate Ermittlungsarbeit und Sammlung von Indizien aus anderen Untersuchungsverfahren der letzten Jahre voraus. Die verdächtigen Unternehmen wiesen in den vergangenen Jahren kaum 1,7% Gewinn aus, zwanzigmal weniger als der Rest der Branche.

Wie die Finanzbehörden verlauten ließen, stellte sich im Verlauf der Untersuchung heraus, dass viele der chinesisch geführten Unternehmen Millioneninvestitionen tätigten und ihre Geschäfte erweiterten, während sie gleichzeitig systematisch Verluste auswiesen. Es ergaben sich starke Hinweise darauf, dass fast 70% des Kaufs und Verkaufs schwarz abgewickelt wurden. Darüber hinaus stellten die Finanzbeamten einen intensiven Bargeldverkehr fest, zahlreiche Bargeldzahlungen auf Konten, von denen die Gelder dann nach China überwiesen werden.

Die Ermittlungen ergaben, dass auch viele chinesische Einzel- und Großhändler die Waren mit ihren Privatfahrzeugen in den Industriegebieten abholen und einen erheblichen Teil derselben ebenfalls bar bezahlen.

In den letzten Jahren hat die Finanzbehörde mehrere Operationen gegen chinesische Händler in Spanien durchgeführt. Die bedeutendste war die Operation „Jugetes“ (Spielzeuge) Ende 2014. Es ging um Betrug in der Größenordnung von 100 Millionen Euro bei über 15.000 Importvorgängen von Millionen von Artikeln. Die Mitglieder der internationalen Organisation wurden wegen Steuervergehen, Geldwäsche, Mitgliedschaft in einer kriminellen Vereinigung, Urkundenfälschung und Diebstahl geistigen Eigentums angeklagt.

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