Arbeitslosenquote unter 20 Prozent


Nach sechs Jahren wurde die psychologisch wichtige Marke durchbrochen

Madrid – Nach sechs Jahren ist in diesem Sommer die Arbeitslosenquote unter die 20-Prozent-Marke auf 18,9% gefallen, wie das Nationale Statistikinstitut bekannt gab. Damit gilt die schwerste und längste Krise der vergangenen vierzig Jahre auf dem Arbeitssektor als beendet, wenn auch längst nicht als überwunden. Zudem steht die Erholung auf tönernen Füßen, denn bei den neuen Arbeitsverhältnissen handelt es sich zum großen Teil um befristete Verträge, die mittlerweile 27 Prozent ausmachen.

Kein Grund zum Jubeln

Die Krise hat die Wirtschaft und den Arbeitsmarkt dermaßen getroffen, dass die Arbeitslosenquote in den letzten sechs Jahren stets über 20% lag. Seit dem Rekordstand von rund 27% Ende 2013 dauerte es knapp drei Jahre, bis die Quote endlich unter die magische Grenze von 20% gefallen ist. Und auch wenn die Quote „nur noch“ 18,9% beträgt, fällt sie im europäischen Vergleich katastrophal aus und wird lediglich von Griechenland übertroffen.

Während des Sommers haben sich die beiden aussagekräftigsten Indikatoren verbessert. So ist die Zahl der Arbeitslosen um 253.900 auf 4,3 Millionen gesunken. Trotz der positiven Tendenz gibt es keinen Grund zum Jubeln. Die Arbeitslosenzahl ist weiterhin dramatisch hoch. Auch handelt es sich bei über der Hälfte der Nichtbeschäftigten (2,5 Millionen) um Langzeitarbeitslose.

Auf der anderen Seite wurden 226.500 neue Stellen geschaffen und die Gesamtzahl der Arbeitsplätze auf 18,5 Millionen erhöht. Problematisch dabei ist allerdings, dass es sich bei den neuen Arbeitsverhältnissen hauptsächlich um befristete Verträge handelt. Das hat zur Folge, dass derzeit jedes vierte Arbeits­verhältnis (27%) als nicht stabil gilt. Europaweit wird dieser Anteil nur in Polen (28%) übertroffen. Experten haben bereits warnend darauf hingewiesen, dass im Herbst 2008, als Lehman Brothers Insolvenz beantragen musste und die weltweite Wirtschaftskrise ihren Lauf nahm, der Anteil der befristeten Arbeitsverhältnisse in Spanien bei 27% lag. Als diese ausliefen, wurde die schwerste Arbeitslosenkrise in der Geschichte des Landes ausgelöst.   




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