Arbeitslosenquote so hoch wie noch nie


Jeder dritte Canario befindet sich auf Stellensuche

Laut der neuesten Umfrage über den Beschäftigungsstand der Bevölkerung (EPA) stieg die Zahl der arbeitslosen Canarios am Jahresende 2011 auf die schockierende Zahl von 341.900 (27.500 mehr als Ende 2010); die Arbeitslosenquote kletterte auf 30,9% und erreichte den höchsten Stand seit Einführung der EPA.

Täglich bilden sich schon über eine Stunde vor Öffnung lange Schlangen vor den Arbeitsämtern. Die verzweifelten Menschen warten Stunden, um sich arbeitslos zu melden, ihren Bezugsschein stempeln zu lassen oder Arbeitslosenunterstützung bzw. Sozialhilfen zu beantragen. Angestellte des kanarischen Arbeitsamtes (SCE) ließen durchblicken, dass es kaum Stellen gäbe; wenn überhaupt, dann seien diese zeitlich oder auf halbtags begrenzt. Dabei seien mittlerweile fast alle Arbeitslosen bereit, für einen Minimallohn irgendeine Arbeit, gleich welcher Art, zu verrichten.

„Sozialer Notstand“

Die anhaltende Wirtschaftskrise zwingt weiterhin viele Unternehmen zur Schließung, und damit einhergehend werden immer mehr Arbeitsplätze zerstört. Die wenigen neuen Unternehmen können die Arbeitssuchenden kaum auffangen, sodass auch die Quote der Langzeitarbeits­­losen weiter zugenommen hat (102.000, knapp 30%). Da es nach zeitlichem Auslauf der Arbeitslosenunterstützung kaum noch Ansprüche auf andere finanzielle Hilfen gibt, wächst die Not ständig. Nach Angaben des Kanarischen Statistikinstituts (Istac) gibt es mittlerweile 106.600 Haushalte auf den Kanaren, deren Mitglieder alle arbeitslos sind. Die Anzahl der Familien, die insgesamt mit nur rund 300 Euro im Monat auskommen müssen, nimmt stetig zu. Manuel León, Direktor des SCE, beschrieb die Situation schlichtweg als „sozialen Notstand“.

Die kanarische Regierung sucht nun Unterstützung beim Staat, um die katastrophale Lage in den Griff zu bekommen. Auch wurden 55 Millionen Euro bereitgestellt, um fast 6.000 Arbeitslose zumindest zeitweilig zu beschäftigen. Des Weiteren soll der Schritt in die Selbstständigkeit gefördert werden.

Verlorene Generation?

Besonders hoch ist die Arbeitslosigkeit bei den unter 25-jährigen Canarios, denn die Hälfte (49%) dieser Bevölkerungsgruppe befindet sich auf Arbeitssuche. Experten fürchten schon, diese Arbeitslosen könnten auch in Zukunft nur schwer auf dem Arbeitsmarkt vermittelt werden.

Verheerender Jahresanfang

Kurz nach Veröffentlichung der EPA gab es dann gleich die nächste schockierende Nachricht: das kanarische Arbeitsamt (SCE) gab bekannt, dass die Zahl der gemeldeten Arbeitslosen Ende Januar auf ein Rekordhoch von 273.983 gestiegen ist. Allein im Januar sprachen 8.414 Arbeitslose beim SCE vor. (Der Unterschied zwischen den Zahlen der EPA und des SCE beruht darauf, dass die EPA auch diejenigen erfasst, die nicht beim Arbeitsamt gemeldet, aber auf Arbeitssuche sind).




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