Juan Carlos zurück in Spanien

Juan Carlos I. am 21. Mai an Bord des Segelboots „Bribón 500“ Foto: EFE

Juan Carlos I. am 21. Mai an Bord des Segelboots „Bribón 500“ Foto: EFE

Von Abu Dhabi nach Galicien – der erste Besuch des Altkönigs Juan Carlos in der Heimat

Sanxenxo – Auch wenn sein Wohnsitz zukünftig Abu Dhabi sein wird, will der emeritierte König seiner spanischen Heimat nicht den Rücken kehren, sondern ihr regelmäßig Besuche abstatten. In der vergangenen Woche ist er zum ersten Mal nach zwei Jahren nach Spanien gereist. Bei einer Segelregatta im galicischen Sanxenxo in der Nähe von Vigo, wurde er von begeisterten Anhängern mit Jubel und Hochrufen begrüßt. Seine Familien traf der ehemalige Monarch dagegen erst kurz vor seiner Rückreise in seine Wahlheimat, im Zarzuela-Palast in Madrid.

Affären jeglicher Art, großzügige Geldzahlungen aus Saudi-Arabien, Elefantenjagden, aber auch die Untersuchungen von Steuerhinterziehungen, das alles hat dem Ansehen des spanischen Königshauses ganz erheblich geschadet.

Auf dem Flughafen in Vigo hatte ihn, neben einer großen Gruppe von Freunden auch seine älteste Tochter Elena empfangen, zu der er nach wie vor ein sehr gutes Verhältnis hat. Alle anderen Familienmitglieder, seine Ehefrau Sofía und seinen Sohn und Thronfolger Felipe VI., traf er erst nach dem Wochenende, am Tag seiner Abreise. Wegen des Verdachts der Untreue war der Altkönig bekanntlich im August 2020 auf Einladung von arabischen Freunden nach Abu Dhabi ins Exil gegangen. Nachdem die spanische Justiz im vergangenen März beschlossen hatte, die Ermittlungen gegen Juan Carlos zu den Akten zu legen, ist er nun, wenn auch nur für wenige Tage, in seine Heimat zurückgekehrt und in Sanxenxo begeistert begrüßt worden. Dieser überaus begeisterte Empfang war eigentlich nicht zu erwarten gewesen, denn selbst in Spanien, das lange Zeit als äußerst „königs- und monarchietreu“ galt, ist Juan Carlos inzwischen nicht nur umstritten sondern sehr schlecht angesehen. Es ist ja gar nicht allzu lange her, da wurde der ehemalige Monarch als der Wegbereiter für die spanische Demokratie gefeiert, der das Ansehen aber auch die wirtschaftlichen Beziehungen Spaniens weltweit gefördert hat.

Juan Carlos I. bei seiner Ankunft im Segelclub Club Náutico Sanxenxo. Fotos: EFE
Juan Carlos I. bei seiner Ankunft im Segelclub Club Náutico Sanxenxo. Fotos: EFE

Ein passionierter Segler

Offizieller Grund für seine unerwartete Rückkehr sollen die Segelmeisterschaften in Sanxenxo sein, an denen Juan Carlos in der Vergangenheit regelmäßig teilgenommen hat, und in den Jahren 2017 und 2019 in seiner Bootsklasse den Weltmeistertitel gewinnen konnte. Bereits im Juni will der Altkönig wieder nach Galicien kommen, wenn in Sanxenxo Weltmeisterschaften in der „6 m Class“ ausgetragen werden. Ob der passionierte Segler selbst an der Regatta teilnehmen wird, ist mehr als fraglich. Bei seiner Ankunft und während seines Besuchs, war er zwar bei allerbester Laune, hatte jedoch beim Laufen Probleme. Der heute 84-Jährige ging nicht nur auf einen Stock gestützt, sondern wurde auch noch auf der anderen Seite von einem seiner Freunde unterstützt.

Seine Zeit in Galicien verbrachte Juan Carlos beim Segeln und bei seinem engsten Freund Pedro Campos, in dessen Haus er auch wohnte. Campos war beinahe sein Leben lang Profi-Segler und ist der Präsident des Sanxenxo Yacht-Clubs, der auch die Regatten ausrichtet. Der Zeitung „El Mundo“ hat er anvertraut, dass er über den Besuch des früheren Monarchen und guten Freundes erfreut, aber von dessen Empfang geradezu überwältigt war.

Bei der Übergabe einer Erinnerungstafel im Anschluss an die Regatta, bei der er mit dem Boot „Bribón 500“ den vierten Platz belegte. Fotos: EFE
Bei der Übergabe einer Erinnerungstafel im Anschluss an die Regatta, bei der er mit dem Boot „Bribón 500“ den vierten Platz belegte. Fotos: EFE

Langes Gespräch mit König Felipe

Vor seiner Rückkehr nach Abu Dhabi verbrachte der Ex-Monarch elf Stunden im Zarzuela-Palast, der 57 Jahre sein Zuhause war bevor er sich entschied, ins Exil zu gehen. Mit Mitgliedern seiner Familie – das Königspaar, die Infantin Sofía, seine Tochter Elena mit ihren Kindern, seine Schwester Margarita mit ihrem Ehemann und deren Kindern, nahm er ein Mittagessen ein, wie in einer kurzen Stellungnahme des Königshauses zu lesen war. Das hatte den Besuch des Altkönigs ansonsten als eine rein private Angelegenheit bezeichnet. Die emeritierte Königin Sofía, war erst einen Tag zuvor von einem offiziellen Besuch in den USA zurückgekehrt, wo sie sich mit dem Corona-Virus infiziert hat, und nicht am Mittagessen teilnehmen konnte, aber trotzdem anwesend war. Als Juan Carlos nach 11 Stunden seine Rückreise antrat, hatte er die meiste Zeit zum Gespräch mit König Felipe genutzt. Dabei sei es um Familienangelegenheiten aber auch um bestimmte „Ereignisse“ und ihre Konsequenzen für die spanische Gesellschaft gegangen, seit er sich am 3. August 2020 entschied, ins Exil zu gehen, heißt es in der Verlautbarung des Königshauses.

Allgemein ist die Stimmung in den Medien und in der Meinung der Öffentlichkeit kritisch bis ablehnend, was den Besuch des Altkönigs angeht. Da hatte man mehr Zurückhaltung erwartet, und auch seine Anreise in einem teuren Privatjet kam nicht gut an. Auch wurde auf eine Erklärung des Bedauerns wegen der Finanzmanipulationen der letzten Jahre vergeblich gewartet.

Diese Einstellung hat die Journalistin Ángeles Barceló in einem einzigen Satz auf den Punkt gebracht: „Der Emeritierte hat nichts verstanden, er ist überzeugt davon, dass er noch immer der König ist“.

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