Zwangsvollstreckungen stiegen auf 500


In der Folge der Immobilienkrise verlieren weiterhin Tausende von Familien und Unternehmen ihre Existenz

In den Jahren 2001 bis 2007 gab es in Spanien 113.265 Hypothek-bedingte Zwangsvollstreckungen. Diese Zahl hat sich in den Jahren nach dem Platzen der Immobilienblase von 2008 bis 2014 auf 577.802 verfünffacht.

Der Bauboom hatte dazu geführt, dass zwischen den Jahren 2000 und 2006 rund 3,5 Millionen Wohnungen gebaut und fertiggestellt wurden. Er ging mit einer „Hypothekenblase“ einher, in deren Verlauf über sechs Millionen Hypothekenkredite vergeben wurden. Dies führte nach dem Platzen der Spekulationsblase zu einer Kettenreaktion von Zwangsvollstreckungen. Tausende Familien verloren ihr Zuhause, Hunderte werden weiterhin Woche für Woche auf die Straße gesetzt. Neugebaute, bezugsfertige Wohngebiete sind zu Geisterstädten verkommen. 

In den vergangenen sieben Jahren sind über 570.000 Zwangsvollstreckungen durchgeführt worden und 215.000 sind noch anhängig. Doch trifft das nicht auf alle Gebiete Spaniens gleichermaßen zu.

Nach einer Analyse des Instituts für Wirtschaft, Geografie und Demografie des Obersten Wissenschaftlichen Forschungsrates (CSIC) anhand der bis Ende 2014 zur Verfügung stehenden Daten sind die Mittelmeerküsten von Andalusien und Murcia besonders betroffen. Auch einzelne Städte wurden schwerer getroffen als andere. In Fuengirola (Málaga) und Vera (Almería) haben sich die Zwangsvollstreckungen verdreizehn- bzw. verzwölffacht. Weitere Brennpunkte sind das Umland der großen Hauptstädte Madrid und Barcelona sowie von Zaragoza und die Ortschaften, welche nahe den Pyrenäen gelegen sind. 

Doch nicht nur Wohnraum ist betroffen. Die billigen Kredite förderten auch den Bau von Industrie-, Firmen-, Laden- und Büroflächen, die nun ebenfalls von Vollstreckungen heimgesucht werden. Dadurch werden zahlreiche Unternehmen in den Ruin getrieben. Im Kreisgebiet La Sagrada in Toledo, im Henares-Korridor und im Umland von Zaragoza gibt es besonders viele Geister-Vorstädte und verlassene Industriegebiete.




Über Wochenblatt

Das Wochenblatt erscheint 14-tägig mit aktuellen Meldungen von den Kanaren und dem spanischen Festland. Das Wochenblatt gilt seit nunmehr 36 Jahren als unbestrittener Marktführer der deutschsprachigen Printmedien auf den Kanarischen Inseln.