Zunehmende Kluft zwischen Arm und Reich


OECD zieht besorgniserregende Schlüsse

Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) hat festgestellt, dass die Kluft zwischen Arm und Reich seit Beginn der Erfassung vor 30 Jahren noch nie so groß gewesen ist.

Schuld daran ist die Krise. Zum einen haben viele Menschen ihren Arbeitsplatz, und somit ihr Einkommen, verloren. Zum anderen mussten viele Staaten einen Sparkurs einführen, Steuern erhöhen und Sozialdienste kürzen oder gar völlig streichen. Die Armen wurden immer ärmer, die Reichen traf die Krise nur in geringem Maße. 

Aus dem entsprechenden Bericht der OECD geht hervor, dass in den 57 Teilnehmerstaaten die „oberen“ 10% der Reichen über 50% des Privatvermögens verfügen, während auf 40% der Ärmsten nur 3% entfallen. Noch nie sei die Schere dermaßen auseinandergeklafft. 

Der Bericht konzentriert sich auf die schlimmsten Jahre der weltweiten Wirtschaftskrise, also den Zeitraum zwischen 2007 und 2011. In diesen vier Jahren sanken die Einnahmen der Haushalte in allen Teilnehmerländern, bei den ärmeren Familien stärker, bei den reicheren in geringerem Maße. In Spanien, Irland und Island gingen die Familieneinkommen pro Jahr durchschnittlich um 3,5% zurück, in Griechenland sogar um 8%. Zwar traf die Krise alle Schichten, doch die Unterschicht stärker als die obere. So gingen bei 10% der ärmsten Haushalte die Einkommen durchschnittlich um 13% pro Jahr zurück, während die oberen 10% der Haushalte mit der größten Kaufkraft nur Einbußen von 1,5% pro Jahr zu verkraften hatten. 

Vorher war die Ungleichheit zwischen Arm und Reich über Jahre hinweg stabil, doch dann kam die Krise, und die Schwierigkeiten vergrößerten sich. Auch der nach und nach Einzug haltende Aufschwung änderte daran nichts, weil die extrem hohe Arbeitslosigkeit nur sehr langsam abnimmt, die Arbeitslosen wenig oder gar keine Unterstützung erhalten und der Sparzwang öffentliche Investitionen verhindert.

In Spanien haben bestimmte Maßnahmen die Lage noch verschärft. Dazu gehört die wegen der Sanierung des Staatshaushalts nach Meinung der Regierung notwendige Erhöhung der Einkommen- und der Mehrwertsteuer (2011 und 2013) mit gleichzeitigem Abbau der Sozialleistungen (2013). Auch die vermehrte Schaffung von Teilzeitstellen und der Unterschied der Entlohnung zwischen Männern und Frauen haben dazu beigetragen. 

Die OECD zieht  daher den Schluss, dass die Armut zwischen 2007 und 2011 in besorgniserregendem Maße zugenommen hat. Der Anteil der unterhalb der Armutsgrenze lebenden Bevölkerung ist von 1% auf 9,4% gestiegen. In Spanien von 10% auf 18%. In Griechenland auf 27%. Und nicht mehr wie früher sind es hauptsächlich Senioren, die in diese Lage geraten, sondern immer mehr junge Menschen.




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