Zu wenig Wasser in den Stauseen


Die Bewässerung der Felder wird durch die Behörden bereits eingeschränkt

Der Fluss Júcar, der durch Cuenca, Albacete und Valencia fließt und ins Mittelmeer mündet, sowie zahlreiche weitere Wasserläufe weisen für die Jahreszeit viel zu geringe Wasserstände auf. Foto: CHENICUENCA

Madrid – Seit der großen Trockenheit im Jahr 1995 war der Wasserstand in den spanischen Stauseen nicht mehr derart niedrig, wie es aktuell der Fall ist. In der ersten Juniwoche waren die Stauseen nur zu 56,5% ihrer Kapazität gefüllt. Zuletzt wurde 1995 ein niedrigerer Wasserstand gemessen, als die Stauseen Anfang Juni nur zu 40% gefüllt waren.

Mehrere Flussläufe, wie die des Júcar, des Segura und des Duero sind dermaßen trocken, dass die zuständigen Behörden bereits die Bewässerung der Felder eingeschränkt haben. Die Wasserkraftwerke produzieren kaum mehr Elektrizität, was sich auf die Stromrechnung auswirken wird. Noch schließt die Regierung Einschränkungen beim Trinkwasserkonsum aus.

„Ich habe noch nie so geringe Reserven gesehen,“ warnte Íñigo Nagore, Leiter des Ressorts Landwirtschaft und Umwelt von La Rioja. „Wir haben andere schlechte Momente erlebt, wie 1995 oder 2005, aber noch nie so ernsthafte wie derzeit,“ erklärte Nagore, der seit 20 Jahren einen Posten in der Regionalverwaltung innehat. Doch nicht nur in La Rioja sind die Flüsse zunehmend wasserarm, nachdem es im Frühling kaum geregnet hat.

Die Stauseen werden in Spanien insbesondere zur Trinkwasserversorgung, zur Bewässerung in der Landwirtschaft und zur Stromerzeugung genutzt. Die Wasserknappheit wird diesen Sommer zu diversen Einschränkungen führen:

Zuerst dürfte auf dem Festland der Anstieg der Stromrechnung zu spüren sein. Jorge Morales de Labra, Industrie­ingenieur und Energieexperte, erklärte: „Die Wasserenergie ist diejenige, die sich positiv auf die Stromkosten auswirkt. Wenn es kein Wasser gibt, dann wird Strom mit Gas und Kohle produziert, die teuer eingekauft werden müssen.“ Die Kosten werden auf die Verbraucher abgewälzt.

Die Versorgung ist noch nicht gefährdet

Bei den speziell für die Trinkwasserversorgung und die Bewässerung in der Landwirtschaft vorgesehenen Reserven sieht es etwas besser aus. „In diesem Moment ist die Versorgung der Bevölkerung nicht in Gefahr,“ versicherte María García, Staatssekretärin für Umwelt, die aufzeigte, dass gemäß Gesetz dieser Verwendungszweck an erster Stelle steht. García forderte die Bevölkerung jedoch zu einem sparsamen Wasserverbrauch auf, weil „sich die Lage während der Sommermonate nicht verbessern wird“.

Der Ministerrat hat bereits eine Gesetzesverordnung mit dringenden Maßnahmen für die besonders betroffenen Flussläufe des Duero, Júcar und Segura beschlossen, deren Stauseen nur zu 31% (Segura) und 50% (Duero) gefüllt sind. Unter anderem sind Unterstützungen für die von der Wasserdrosselung betroffenen Landwirte vorgesehen.

Derweil kritisierte Francisco Flores, Ingenieur für Wege, Kanäle und Häfen sowie Vertreter der Spanischen Gesellschaft für Stauseen und Talsperren, das Problem in Spanien sei die mangelnde Planung. „Die Bauarbeiten werden jetzt per Notfalldekret durchgeführt und nicht vorher geplant.“ Der Experte forderte, bei zukünftigen Planungen sei der Wandel hin zu selteneren und geringeren Regenfällen zu beachten. Auch bestehe Regelungsbedarf über den Bau neuer Staubecken, die gewöhnlich von der Bevölkerung wegen des Eingriffes in Umwelt und Natur abgelehnt würden.

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