Zeugenbeeinflussung im Fall „Emperador“?


Geldwäsche und Steuerbetrug im großen Stil durch die Mafia-Organisation des chinesischen Geschäftsmannes Gao Ping

Seit dem Jahr 2012 beschäftigt der sogenannte Fall „Emperador“ die spanische Öffentlichkeit. Gegenstand ist eine kriminelle Vereinigung um den chinesischen Geschäftsmann Gao Ping, der Geldwäsche in der Größenordnung von 300 Millionen Euro jährlich, Steuerbetrug und Schmug­­gel zur Last gelegt wird.

Madid – Seither sind im Zusammenhang mit den polizeilichen und richterlichen Untersuchungen der mafiösen Strukturen der Organisation  110 Haftbefehle ergangen und 83 Personen festgenommen worden. Die prominentesten sind José Borras, sozialistischer Stadtrat von Fuenlabrada bei Madrid, der Pornodarsteller Nacho Vidal, der schon genannte Gao Ping, der eine Kunstgalerie und zahlreiche Import/Export-Unternehmen besitzt, und drei entfernte Verwandte des Königshauses, die der Antikorruptions-Staatsanwalt ebenfalls auf der Anklagebank sehen möchte.

Die neueste Entwicklung in diesem Fall ist eine Beschwerde des Inspektors der Nationalpolizei Miguel Ángel Gómez Gordo, des ersten Polizeibeamten, der im Verlauf der Ermittlungen angeklagt wurde. In einer Aussage gegenüber dem leitenden Richter Ismael Moreno behauptete er, dass dreien der angeklagten Chinesen eine Sonderbehandlung im Verfahren versprochen worden sei, wenn sie gegen die beschuldigten Polizeibeamten aussagen würden.

Genauere Angaben zu den Personen und dem Vorgang machte er nicht, sondern sagte nur aus, dass sich alle drei unter Auflagen auf freiem Fuß befänden.

Gómez Gordo wird der Bestechlichkeit beschuldigt. Er soll die Erteilung der Aufenthaltserlaubnis für verschiedene chinesische Bürger ermöglicht und beschleunigt sowie Dienstgeheimnisse verraten haben. Er selbst bestreitet dies und verweist darauf, dass seine Dienststelle überhaupt nicht befugt sei, solche Genehmigungen zu erteilen. Er räumt jedoch ein, von einem der chinesischen Angeklagten, Yongping Wu Liu genannt Miguel el Calvo („der Glatzkopf“),  zu einem Fußballspiel eingeladen worden zu sein. Er erklärte jedoch auch, dass er selbst diesen ebenfalls eingeladen habe. Es sei um die Pflege dieser Bekanntschaft gegangen, durch die er Informationen über die chinesische Bevölkerungsgruppe in Madrid erhalten habe. Auch ein anderer der insgesamt zehn in diesem Fall angeklagten Polizeibeamten, Kommissar Ángel Luis Olmedo Ovejero, sagte aus, Yongping Wu Liu sei ein Informant der Polizei, der bei verschiedenen Operationen zur Verbrechensbekämpfung mitgewirkt habe.




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