„Zerstörung – koste es, was es wolle“


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Über drei Millionen Wohnungen und 300 Golfplätze sind an der spanischen Küste geplant

Genau 354 Beamte, darunter mehrere Bürgermeister, stehen derzeit im dringenden Verdacht in einen von 89 Bau-Korruptionsfällen verwickelt zu sein. Das ist einer der Anklagepunkte, den die Umweltschutzorganisation Greenpeace in ihrem diesjährigen Bericht über die Zerstörung der spanischen Küste durch die nicht enden wollende Bauwut korrupter Bauherrn und Politiker anführt.

Madrid – „Zerstörung koste es, was es wolle“, so in etwa könnte der Name des Berichts übersetzt werden, in dem außerdem angezeigt wird, dass der Bau von über drei Millionen weiteren Wohnungen sowie 300 Golfplätze geplant sind. Nach Angaben der Umweltschützer fällt in Spanien, insbesondere an der Küste, täglich im Durchschnitt eine Fläche in der Größenordnung von drei Golfplätzen der Bauwut zum Opfer.

Am schlechtesten kommt in dem Greenpeace-Bericht die autonome Region Andalusien weg. Obwohl die Küste in dieser südspanischen Region nur 10% der Gesamtfläche darstellt, lebt hier ein Drittel der Bevölkerung. Außerdem ist der Bau von weiteren 683.350 Wohnungen geplant. Des Weiteren wurden 41.800 illegale Wohnungen registriert und 200 Projekte für den Bau von Golfplätzen. Am meisten Sorge bereitet den Umweltschützern jedoch die Tatsache, dass Andalusien im Ranking der korruptionsreichsten Regionen den ersten Platz belegt. Gegen 180 Angehörige von 28 andalusischen Stadtverwaltungen, allen voran Marbella, laufen derzeit Ermittlungsverfahren wegen Korruption in Zusammenhang mit Bauvorhaben.

Die Kanarischen Inseln haben die zweifelhafte Ehre an zweiter Stelle der zerstörerischsten Regionen in Sachen Bauwut an der Küste zu stehen. Der Archipel verfügt derzeit im Spanienvergleich über die meisten Projekte zum Bau neuer touristischer Unterkünfte und Sporthäfen. Des Weiteren werden verschiedene Korruptionsfälle angeführt, die spanienweit für Aufsehen gesorgt haben (Korruption in der Stadtverwaltung Mogáns sowie ungerechtfertigte Zahlungen des Fórum Filatélico an den Bürgermeister und den Hafenchef von Santa Cruz de Tenerife).

Nicht minder verdächtig sind allerdings die Vorkommnisse in der Comunidad Valenciana. Obwohl nicht zuletzt das Europaparlament bereits seit mehreren Jahren die Region ob ihrer Bau-Aktivität genau im Auge behält, sind derzeit fast 500.000 weitere Neu-Wohnungen geplant. Dies sei ein klares Anzeichen dafür, so moniert Greenpeace, dass die Behörden kein Interesse daran haben, der die Küste gänzlich zerstörenden Bautätigkeit Einhalt zu gebieten. In 542 Gemeinden, zwischen 15 und 20% im Küstengebiet angesiedelt, wurden wegen der massiven Bebauung ernsthafte Probleme festgestellt.

An vierter Stelle steht schließlich Murcia, eine Region, in der der Bau von weiteren 330.000 Wohnungen an dem gerade einmal 300 Kilometer langen Küstenstreifen dieser Region geplant ist. Bildlicher ausgedrückt, könnte man auch sagen, dass es 1.137 Wohnungen pro Kilometer Küste geben wird. Murcia folgt Galicien, wo in den nächsten Jahren 800.000 Wohnungen gebaut werden sollen und 16 Korruptionsfälle festgestellt wurden

Und auch die katalanische und die Küste der Balearen kommen nicht gut weg in dem Greenpeace-Bericht. Jährlich werde die Situation schlimmer. Als Hauptgrund für die Zerstörung der Küste wird auch hier der Bau von Wohnungen, Golfplätzen und Sporthäfen angeführt. Konkret sollen in den nächsten Jahren 100.000 neue Wohnungen gebaut werden.

Und zu guter Letzt wird auch die unverhältnismäßige Bautätigkeit in den Regionen Kantabrien und Baskenland kritisiert. In Kantabrien würden per Gerichtsurteil angeordnete Abrisse von illegalen Gebäuden einfach nicht durchgeführt und im Baskenland sind an 17 verschiedenen Stellen 1.720.000 Wohnungen geplant, die in keinem Verhältnis zu den realen Bedürfnissen und Notwendigkeiten der Bevölkerung stehen.




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