Wohin soll das noch führen?


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Soziale Krise nimmt ihren Lauf

Seit nunmehr fünf Jahren leidet Spanien unter der schweren Wirtschaftskrise. Bislang nahm die Bevölkerung die steigende Arbeitslosigkeit und Armut relativ gelassen hin.

Madrid – Doch in letzter Zeit wächst der Unmut, insbesondere gegen die Zwangsräumungen, und die Massenproteste auf den Straßen nehmen zu. Alles weist auf eine weitere Verschlechterung der Lage hin, sodass die Regierung eine Zunahme der sozialen Unruhen befürchtet.

Lange richteten die spanischen Politiker ihr Augenmerk fast ausschließlich auf die EU-Forderungen und die eigene Sparpolitik, doch vor dem zunehmenden sozialen Drama können nun kaum mehr die Augen verschlossen werden. Die Zahl der Arbeitslosen wächst und wächst, immer mehr Kinder müssen von den Sozialdiensten mit Essen versorgt werden, Hunderttausende Familien werden per Zwangsräumung aus ihrem Zuhause vertrieben.

Und es wird weiter bergab gehen, die soziale Krise sich weiter zuspitzen. Da es kaum Anzeichen für einen wirtschaftlichen Aufschwung im kommenden Jahr gibt, wird die Zahl der Arbeitslosen weiter ansteigen. Die Langzeitarbeitslosen werden die letzte staatliche Unterstützung aus dem sogenannten Plan Prepara auch noch verlieren, was bedeutet, nach zweieinhalb Jahren ohne Beschäftigung vollkommen einkommenslos zu sein, mit der Folge, dass die Zahl der Zwangsräumungen weiter zunehmen wird. Auch diejenigen Familien, die noch ein oder mehrere erwerbstätige Mitglieder haben, werden immer ärmer, weil die Gehaltserhöhungen schon lange nicht mehr mit den Preissteigerungen Schritt halten, denn die Mehrwertsteuer wurde angehoben und die Medikamentenzuzahlung eingeführt, die staatliche Unterstützung für Schulessen und häusliche Pflege eingeschränkt.

Während der Unmut der Bevölkerung weiter wächst, bleibt der Regierung – zumindest finanziell gesehen – wegen der strengen EU-Aufsicht nicht viel Handlungsspielraum für eine Aufstockung sozialer Hilfen. Auf dem Weg zum sozialen Notstand ist eine Zunahme der Unruhen absehbar.




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