Wirtschaftskrise wirkt sich auf Geburtenrate aus


Immer weniger Babys und immer ältere Erstgebärende

Kein Geld, keine Kinder. Das jedenfalls ist die Schlussfolgerung, zu der Experten angesichts der jüngsten offiziellen Daten über Mutterschaft in Spanien gekommen sind.

Madrid – Laut der Daten des Nationalen Statistikamtes INE ist die ohnehin schon niedrige Geburtenrate im ersten Halbjahr 2010 im Vergleich zum selben Zeitraum des Vorjahres um 3,2% gesunken. Spaniens Demographen haben keinen Zweifel daran, dass der Geburtenrückgang in direktem Zusammenhang mit der Wirtschaftskrise steht.

Es stimme zwar, dass die Anzahl junger Frauen im gebärfähigen Alter geringer sei als noch vor einigen Jahren, und weniger Frauen bedeute verständlicherweise auch weniger Kinder, doch dies könne in wenigen Jahren schon wieder ganz anders sein. Die eigentliche Sorge der Demographen gilt also einem ganz anderen Aspekt. Nämlich der Tatsache, dass die Fruchtbarkeitsrate, also das zahlenmäßige Verhältnis von Lebendgeborenen zu Frauen im gebärfähigen Alter (15 bis 45 Jahre) pro Kalenderjahr schon wieder gesunken ist, und zwar auf 1,38. 2009 lag die Rate noch bei 1,39 und 2008 bei 1,46. Auch das steigende Alter der Erstgebärenden in Spanien wird mit Sorge beobachtet, liegt es doch schon jetzt bei durchschnittlich 31,1 Jahren.

Beide Daten stehen in direktem Zusammenhang. Je später eine Frau das erste Kind bekommt, desto weniger Kinder bekommt sie insgesamt. Den Beweis dafür liefern Länder wie Frankreich und Schweden, wo die Frauen früher Kinder kriegen und durchschnittlich zwei Kinder auf eine Frau kommen.

In den ersten sechs Monaten letzten Jahres wurden 235.373 Babys in Spanien geboren. Ein Umstand, der darauf hinweist, dass die weltweite Wirtschaftskrise für den Rückgang der Geburtenrate verantwortlich ist, könnte die Tatsache sein, dass die Rate zwischen 1999 und 2009 stetig gestiegen war.

Nach Expertenmeinung liegt das hohe Durchschnittsalter der Erstgebärenden in Spanien unter anderem darin begründet, dass verhältnismäßig viele Jahre der Ausbildung gewidmet werden, und die Aussichten auf einen stabilen, ausreichend bezahlten Arbeitsplatz immer schlechter sind. Hinzu kommt die Tatsache, dass es vor allem jungen Menschen heutzutage in Spanien kaum noch möglich ist, ein Eigenheim zu erstehen, und selbst die Mieten sind aufgrund der niedrigen Gehälter kaum zu stemmen.




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