Wiederholter Kartellbetrug bei Seniorenreisen


© Imserso

Die Wettbewerbsaufsicht wird ein Sanktionsverfahren eröffnen

Die Nationale Markt- und Wettbewerbskommission CNMC wird ein Sanktionsverfahren gegen die beiden Reisebüroketten Barceló und Halcón Viajes einleiten.

Sie wirft den beiden Unternehmensgruppen vor, seit 20 Jahren den Markt der staatlich subventionierten Seniorenreisen in wettbewerbswidriger Weise unter sich aufgeteilt zu haben. Diese Reisen werden durch die spanische Regierungsbehörde für Programme und Leistungen für Senioren, Imserso, gefördert. 

Schon im Jahr 2000 waren in diesem Zusammenhang von der Vorgängerorganisation der CNMC, dem Tribunal zum Schutz des Wettbewerbs, Bußgelder verhängt worden. Nun hat es den Anschein, dass die wettbewerbsschädigenden Praktiken auch danach mit veränderter Vorgehensweise fortgeführt wurden. Damals, im Jahr 2000, waren es noch vier Reisebüroketten, die eine Interessengemeinschaft gebildet und Angebote mit identischen Bedingungen bei den öffentlichen Ausschreibungen der Imserso eingereicht hatten. Diese Kartellbildung wurde seinerzeit mit sechs- bis siebenstelligen Bußgeldern geahndet. Die Interessengemeinschaft der vier Unternehmen hatte 901.518 Euro zu zahlen, Hálcon Viajes und Barceló mussten außerdem je 829.396 Euro, Viajes Iberia 1,23 Millionen Euro und Viajes Marsans 721.214 Euro an Strafen zahlen. Die beiden Letztgenannten sind im Jahr 2013 bzw. 2010 in Konkurs gegangen. 

Trotz der Sanktionen trafen die vier Reisebüroketten, von denen heute nur noch zwei im Geschäft sind, weiterhin Absprachen. Sie änderten ihre Taktik und traten als zeitlich begrenzte Firmenvereinigung (UTE) auf. 

Wieder gelang es ihnen, als meist einziger Anbieter in den Ausschreibungen der Imserso aufzutreten. Die Nationale Markt- und Wettbewerbskommission schätzt, dass die Reiseanbieter sich schon seit zwanzig Jahren den Seniorenreisemarkt in dieser Weise untereinander aufteilen.




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