Weniger Babys, mehr Senioren


2050 sollen auf 10 Berufstätige 6 Rentner kommen. Foto: EFE

Die Bevölkerung altert

Madrid – In nur einem Jahrzehnt sind die Geburten um 30% zurückgegangen. Die Fertilitätsrate, also die durchschnittliche Zahl der Kinder, die eine Frau im Laufe ihres Lebens bekommt, ist seit Langem rückläufig, während das Durchschnittsalter der Erstgebärenden zugenommen hat.

Im vergangenen Jahr war der Geburtensaldo negativ. Gleichzeitig wurde, wie bereits 2015 und 2017, eine zunehmende Sterblichkeitsrate verzeichnet. Das Land altert und hat immer mehr Senioren und immer weniger Kinder. Die schmaler werdende Basis bringt die Pyramide ins Wanken, wie die Zahlen des Nationalen Statistikinstituts darlegen.

Diese besorgniserregende Tendenz beruht auf mehreren Faktoren. Bereits in den 80er- und 90er-Jahren ging die Geburtenrate zurück, sodass heute die Zahl von Frauen im gebärfähigen Alter bereits geringer ist. Weiter spielen die erschwerte Vereinbarkeit von Beruf und Familie, der Mangel an entsprechender politischer Unterstützung und Maßnahmen gegen die schwierige Lage vieler junger Erwachsener, die immer später unabhängig werden, sowie der Rückgang der Zahl der „geburtenfreudigeren“ Immigranten eine große Rolle bei der aktuellen demografischen Entwicklung.

Die Generation der Frauen im Alter von 25 bis 40 Jahren, die 85% der Kinder gebären, wird immer geringer: Von 4,98 Millionen Frauen im Jahr 2017 reduzierte sie sich auf 4,85 Millionen Frauen im vergangenen Jahr. Diese Tendenz hält bereits seit 2009 an.

Joaquín Arango, Professor für Soziologie an der Complutense-Universität in Madrid, erklärte, der Geburtenrückgang käme sch0n aus der Vergangenheit. Der Arbeitsmarkt und die Rahmenbedingungen hätten sich seit vielen Jahren für die Mütter nicht verbessert. Arango zeigte sich insbesondere beunruhigt über den Rückgang der Fertilitätsrate von 1,44 Kindern pro Frau im Jahr 2008 auf 1,25 Kinder pro Frau im vergangenen Jahr, den Rückgang der Geburten von mehr als einer halben Million vor zehn Jahren auf weniger als 370.000 im vergangenen Jahr und den Anstieg des Durchschnittsalters der Erstgebärenden von 29,3 Jahren (2008) auf 31 Jahre.

Pau Miret vom Zentrum für Demografische Studien in Barcelona erklärte, der Geburtenrückgang stehe im Zusammenhang mit der Wirtschaftskrise. Zwischen 1997 und 2007 sei die Zahl der Geburten gestiegen, seit Beginn der Krise kontinuierlich zurückgegangen. Mittlerweile hätten sich die makro-ökono­-

mischen Daten zwar verbessert, doch im Geldbeutel der kleinen Leute nur geringfügig. Die Frauen würden das erste und auch das zweite Kind immer weiter hinauszögern, in der Hoffnung auf eine Verbesserung der Verhältnisse. Mit zunehmendem Alter würde jedoch auch die Fruchtbarkeit abnehmen. Manchmal sei es dann zu spät.

Auf der anderen Seite ist die durchschnittliche Lebenserwartung auf 83,2 Jahre gestiegen (Männer: 80,5 – Frauen: 85,9). Laut Miret wird die hohe Lebenserwartung, zusammen mit der niedrigen Fertilitätsrate, zu einer Alterung der Bevölkerung führen. Die Regierung geht davon aus, dass im Jahr 2050 auf zehn Berufstätige sechs Rentner kommen, aktuell sind es drei, womit das Rentensystem kaum aufrechterhalten werden kann.

Teresa Castro vom Hohen Rat der Wissenschaftlichen Studien forderte die Politik und die Wirtschaft zum Handeln auf. Die Arbeitszeiten müssten flexibler werden, es müsse ausreichend Kinderkrippen geben, die Mieten müssten bezahlbar sein.

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