Weltweiter Betrug mit spanischer Weihnachtslotterie


Ein deutscher Staatsanwalt ermittelt in einem besonders schweren Fall

Der Betrug mit der spanischen Weihnachtslotterie, die wegen ihres höchsten Gewinns meist nur „El Gordo“ („Der Dicke“) genannt wird, schlägt inzwischen weltweit Wellen. Ein Staatsanwalt aus Deutschland, einem der Länder, die am meisten von dem aus Madrid gesteuerten Massen-Betrug betroffen sind, hat die spanische Justiz jetzt um Hilfe gebeten.

Madrid – Er ermittelt in einem konkreten Fall, bei dem das Ehepaar Heidi und Erich Mannes aus Sontheim um 365.000 Euro betrogen wurde.

Die dortige Staatsanwaltschaft verdächtigt ein Unternehmen mit dem Namen Santa Lucia Security Company SA und Sitz in Madrid. Unter dem Deckmantel einer dem Anschein nach legalen Firma sollen die Täter weltweit Tausende von Menschen in Europa, Asien und den Vereinigten Staaten betrogen haben.

Die Betrüger verwenden dabei die verschiedensten Methoden und bedienen sich ungeniert gefälschter Urkunden und Dokumente. Unter anderem wurden die Briefköpfe vom spanischen Wirtschaftsministerium oder der staatlichen Lotteriegesellschaft verwendet, um das Vertrauen ihrer Opfer zu gewinnen. Dem deutschen Ehepaar wurde beispielsweise vorgegaukelt, dass es fünf Millionen Euro gewonnen haben soll. Die Betrüger verschicken dabei per Internet oder Post angeblich offizielle Schreiben, mit denen Menschen aus aller Welt darüber informiert werden, sie hätten in Spanien einen tollen Preis gewonnen. Um das Ganze so glaubwürdig wie möglich zu gestalten, werden Kodeworte bzw. -nummern angegeben, die die Opfer verwenden können, um in einer natürlich gefälschten Website zu überprüfen, dass sie auch tatsächlich unter den glücklichen Gewinnern sind. Ebenso werden spanische Telefonnummern und die Namen von hohen Vertretern der Gesellschaft genannt, die die Lotterie veranstaltet hat. Dort sollen die „Gewinner“ anrufen und ihre Kontoverbindung durchgeben, damit ihnen der Gewinn überwiesen werden kann.

Wer darauf reinfällt, befindet sich schon in den Fängen der Betrüger. Von nun an werden nämlich immer wieder kleine Geldsummen gefordert, um die „Formalitäten der Überweisung“ über die Bühne zu bringen. Die Phantasie der Betrüger kennt dabei keine Grenzen, es geht um Überweisungsgebühren, Steuern jeglicher Art etc. Da der Preis so unglaublich verlockend ist, gehen viele darauf ein und überweisen Geld auf Konten, die ihnen am Telefon genannt wurden.

Der deutsche Staatsanwalt hat nun beantragt, dass ein Konto, das die Betrüger bei Banesto unterhalten und auf das das Ehepaar Mannes wiederholt Geld überwiesen hat, umgehend gesperrt werden soll. Die spanische Polizei hat schon mehrmals Betrügernetze dieser Art aufgedeckt und fast hundert Personen in der Angelegenheit verhaftet. Doch bislang konnte dem Betrug kein Einhalt geboten werden.




Über Wochenblatt

Das Wochenblatt erscheint 14-tägig mit aktuellen Meldungen von den Kanaren und dem spanischen Festland. Das Wochenblatt gilt seit nunmehr 36 Jahren als unbestrittener Marktführer der deutschsprachigen Printmedien auf den Kanarischen Inseln.