Weltbank bestätigt fehlende Unterstützung und Förderung des Unternehmertums


Bürokratische Hürden bei Unternehmensgründung behindern Aufschwung

Im neuesten „Doing Business“-Bericht der Weltbank, der die Unternehmer- und Kleinunternehmenrfreundlichkeit von 189 Ländern unter die Lupe nimmt, ist Spanien gleich in mehreren Kategorien abgerutscht.

Madrid – In puncto „Produktive Investitionen“, sprich die Möglichkeit Maschinen, Rohmaterialien oder Ähnliches zu erwerben, um zu produzieren, büßte Spanien im Vergleich zum vergangenen Jahr acht Plätze ein und rutschte auf die 52. Stelle. Zwar werden derzeit ausländische Investoren hierzulande durch die günstigen Preise angezogen (das Wochenblatt berichtete), doch die kleinen Firmen vor Ort kommen nur schwer an Kredite und leiden unter den Abgabenerhöhungen.

Ob die Gründung eines Unternehmens mehr oder weniger problematisch ist, wurde in einem anderen Ranking beleuchtet. Hier belegte Spanien gar den 142. von 189 Plätzen und ordnete sich nur einen Platz über dem Gazastreifen ein. Usbekistan, Sambia oder Südsudan etwa schnitten besser ab. Das Ranking belegt, dass den Unternehmern hierzulande zu viele Schwierigkeiten bei der Unternehmensgründung in den Weg gelegt werden, was wiederum den wirtschaftlichen Aufschwung hemmt. Tatsächlich sind Dutzende Behördengänge und durchschnittlich 23 Tage erforderlich. Im vergangenen Jahr waren es zwar noch 28 Tage, doch die Konkurrenten haben sich eben noch weiter verbessert. Die Kosten von 4,7% des Durchschnittsgehalts und das erforderliche Startkapital von 13% des Gehalts sind im Vergleich zum Vorjahr gleich geblieben.

In einigen Kategorien legte Spanien zu. In puncto Stromgewinnung, Kleinanlegerschutz, grenzübergreifender Handel und Vertragserfüllung verbesserte sich das Land. Doch die bedeutenden Einbußen in anderen Bereichen wie dem Erlangen einer Baugenehmigung – von Platz 38 verschlechterte man sich auf Platz 98 – konnten damit nicht wettgemacht werden.

Wirtschaftsminister Luis de Guindos hat im Abgeordnetenkongress beklagt, dass die Weltbank Spanien von Jahr zu Jahr, trotz des bestehenden Potenzials, immer schlechter einstuft.

Spaniens schlechtes Abschneiden beruht unter anderem darauf, dass den Ratschlägen des Internationalen Währungsfonds (IWF) nicht Folge geleistet wurde. Der IWF hatte nämlich Mariano Rajoy und seiner Regierung angetragen, sich an den „Doing Business“-Berichten der Weltbank zu orientieren und beispielsweise durch Bürokratieabbau oder finanzielle Anreize und Steuersenkungen auf die ersten zehn Spitzenplätze vorzudringen, die von Ländern wie Singapur, Hongkong, Neuseeland, den USA oder Dänemark eingenommen werden. Doch die Folgen der Wirtschaftskrise und das hohe Defizit haben den Handlungsspielraum der Regierung stark eingeschränkt.




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