Wasserversorgung von 300.000 Neubau-Wohnungen ist nicht garantiert


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Das Umweltministerium warnt, doch die Bauherren machen fröhlich weiter

Umweltschutzorganisationen wie Greenpeace, aber auch das spanische Umweltministerium haben in den letzten Jahren bereits wiederholt vor den negativen Auswirkungen gewarnt, die die Bauwut in Spanien nach sich ziehen wird. Im Gegensatz zu den Umweltschutzorganisationen, deren Anzeigen sich hauptsächlich auf Umweltaspekte beziehen, hat das Umweltministerium jetzt einen erneuten Aspekt ins Gespräch gebracht.

Madrid – Nämlich die Tatsache, dass ein Großteil der spanienweit verteilten teils noch in Planung befindlichen, teils schon so gut wie fertiggestellten Neubau-Wohngebiete keine Garantie für eine ausreichende Wasserversorgung hat.

Insgesamt sind nach Regierungsangaben davon rund 300.000 Neubau-Wohnungen betroffen.

Die Bauherren lassen sich von den negativen Berichten des dem Umweltministerium unterstehenden Wasserbundes jedoch nicht aus der Ruhe bringen und bauen fröhlich weiter. Ihre Gelassenheit gründet auf der Annahme: die Regierung muss für die Wasserversorgung gradestehen, da es sich ja um eine Grunddienstleistung handele. Das Problem ist jedoch, dass es in vielen der Gebiete, in denen teils unter äußerst unklaren Umständen Baugenehmigungen erteilt wurden, schlicht und ergreifend nicht genügend Wasser gibt für die Versorgung Tausender neuer Wohnungen.

Im Rahmen eines Nationalen Wassergesetzes, das im Juli 2005 verabschiedet wurde, hatte die Regierung die Wasserverbände in ganz Spanien dazu verpflichtet, einen Bericht über das „Vorhandensein bzw. Nichtvorhandensein von Wasservorräten“ in ihrem Gebiet zu verfassen. Dadurch sollte vielen der immensen Bauprojekte ein Riegel vorgeschoben werden, zumindest aber wollte sich die Regierung auf diesem Weg absichern, was ihre Verpflichtung zur Garantie der Wasserversorgung betrifft. Wo vorher schon bekannt war, dass nicht genügend Wasser zur Verfügung steht, da sollte auch nicht gebaut werden, das zumindest empfiehlt der gesunde Menschenverstand.

Da sich die Erstellung dieser Wasser-Berichte jedoch bis  jetzt hingezogen hat, sind zahlreiche Bauprojekte „durchgerutscht“. Demnach befindet sich Spanien auf einmal vor der Situation, dass 300.000 Neubau-Wohnungen keine Garantie für die Wasserversorgung haben.

Umweltschutzorganisationen wie Ecologistas en Acción und Greenpeace haben inzwischen bekannt gegeben, dass sie jeden Bauherrn verklagen werden, der in Gegenden baut, in denen laut Bericht der Wasserverbände nicht genügend Wasservorräte für die Versorgung der neuen Wohnblocks vorhanden sind. Das Gleiche droht übrigens auch den Stadtverwaltungen, die Baupläne ohne garantierte Wasserversorgung genehmigen.

Die Regierung will die Wasserstands-Berichte ihrerseits ins Internet stellen, so dass potentielle Käufer einer dieser Neubau-Immobilien die Möglichkeit erhalten, sich vorher darüber zu informieren, ob für ihre zukünftige Behausung auch die Wasserversorgung garantiert ist.




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