Waldbrände in vier spanischen Provinzen


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Die positiven Prognosen erfüllten sich nicht

Noch Mitte August veröffentlichten die Medien im Hinblick auf die Waldbrände in diesem Sommer hoffnungsvolle Meldungen: „Das Jahr mit der geringsten verbrannten Waldfläche in einem halben Jahrhundert“ schrieb die Zeitung El País noch am 19. August. Experten hatten darauf hingewiesen, dass ein regenreiches feuchtes Frühjahr und ein Sommer ohne große Hitzewellen die Gründe für diese positive Entwicklung seien. Obwohl es Ende Juli in Adratx auf der Baleareninsel Mallorca vier Tage lang brannte und mehr als zweitausend Hektar den Flammen zum Opfer fielen, freuten sich die Verantwortlichen darüber, dass bis zum 20. August 90.000 Hektar weniger zerstört wurden als im Durchschnitt der letzten zehn Jahre.

Madrid – Schon zu diesem Zeitpunkt hatte Miguel Ángel Soto, der Verantwortliche für die Waldschutzkampagnen von Greenpeace, darauf hingewiesen, dass es im Katastrophenjahr 2006 zu diesem Zeitpunkt eine ähnliche günstige Statistik gab und sich in der zweiten Augusthälfte schreckliche Waldbrände ereigneten, bei denen mehr als 80.000 Hektar verbrannten. Damals waren allein in Galicien bis zu hundert Brände gleichzeitig aktiv, und in der Region Rías Baixas war wegen der enormen Rauchentwicklung tagelang die Sonne nicht zu sehen.

Nur einige Tage später erwies sich der Hinweis Sotos als zutreffend. In vier spanischen Provinzen wurden insgesamt fünfzehn Waldbrände gemeldet. In Galicien, Madrid, Castilla-La Mancha und Castilla y León mussten die Löschtrupps ausrücken. In einigen Zonen erreichte das Feuer auch Wohngebiete, sodass die Bewohner evakuiert werden mussten.

Sechs Feuer bedrohten Ortschaften

In der letzten August-Woche wurde besonders Galicien und das benachbarte Portugal von den Waldbränden heimgesucht, und wie im Sommer 2006 sind ganz besonders Wohngebiete bedroht. In zehn Tagen wurde der Jahresdurchschnitt der Brände der sogenannten „Stufe eins“  – besonders gefährliche Feuer in der Nähe von Siedlungen – bereits übertroffen. Der Durchschnitt liegt bei vier Bränden dieser Gefahrenstufe jährlich, doch allein in einer einzigen Woche wurde sechsmal die höchste Stufe ausgerufen. So in Ourense an beiden Ufern des Flusses Miño mit mehreren Urbanisationen, und in der Zone des Unteren Miño bei Pontevedra verbrannten mehr als 2.000 Hektar. In Oia und O Rosal mussten zahlreiche Anwohner in Notunterkünfte gebracht werden, und in Ribeira bei À Coruña wurde ein komplettes Industriegebiet samt 400 Einwohnern evakuiert, und das Hospital sowie ein Gasdepot mussten mit einem großen Aufgebot von Feuerwehren und Löschflugzeugen vor dem Schlimmsten bewahrt werden. Angesichts der hohen Temperaturen und der starken Winde wurde das Feuer zwar als „unter Kontrolle“ jedoch nicht für gelöscht erklärt, da es immer wieder aufflammt und die Löschmannschaften nicht abzogen werden können.

Für den Bürgermeister von Ribeira, Manuel Ruíz Rivas, gibt es keinen Zweifel, dass es sich um Brandstiftung handelt. „Es begann um 20.30 Uhr, als die Sonne bereits untergegangen war, die Löschflugzeuge nicht mehr aufsteigen konnten. Und es begann an fünf Stellen gleichzeitig“, argumentierte er.

Evakuierungen auch bei À Coruña

In den Gemeinden Lousame und Boiro bei À Coruña, wo inzwischen 450 Hektar Wald verbrannten, war das Feuer bei Redaktionsschluss weiter aktiv. Löschflugzeuge mit einem Fassungsvermögen von jeweils 5.500 Litern sind ununterbrochen im Einsatz, und eine Landstraße musste gesperrt werden. Glücklicherweise hat der Zivilschutz einen 84-jährigen Mann unversehrt aufgefunden, der als vermisst gemeldet worden war.

Die Ressortleiterin für Landwirtschaft und Umweltschutz der Regierung von Galicien, Rosa Quintana, besuchte die betroffenen Gebiete. Auch sie ist davon überzeugt, dass Brandstiftung vorliegen muss, wenn sage und schreibe 105 Feuer in 24 Stunden ausbrechen. „Das sind mörderische Handlungen mit der eindeutigen Absicht, Schaden zu verursachen. Ganz besonders bei den derzeitigen Witterungsbedingungen mit großer Hitze und starken Windböen und ganz in der Nähe von Wohngebieten“, erklärte sie.

Während im Norden Spaniens noch gegen die Waldbrände gekämpft wird, wurden im Süden des Landes sieben Provinzen von heftigen Umwettern der sogenannten „gota fria“ heimgesucht. Verschiedene Gemeinden in Andalusien, wo bis zu 80 Liter Regen auf den Quadratmeter fielen, haben beantragt, zum Notstandsgebiet erklärt zu werden.




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