Vorchristliches Hafenviertel entdeckt


Der Georadar, der wie ein Anhänger über das Gelände gezogen werden kann, misst mittels hochfrequenten elektromagnetischen Wellen die Beschaffenheit des Bodens in bis zu vier Metern Tiefe. Foto: Universidad cádiz

Per Georadar spürten Archäologen der Universität Cádiz gut erhaltene Gebäudereste nahe der Ausgrabungsstätte Doña Blanca auf

Cádiz – Schon 1979 bis 1995 wurden an der Ausgrabungsstätte Doña Blanca nahe der Stadt Puerto de Santa María in der Provinz Cádiz die Überreste einer der ältesten phönizisch-punischen Hafenstädte auf der Iberischen Halbinsel ausgegraben. Sie stammen aus dem 8. bis 3. Jahrhundert vor Christus. Gefunden wurden Mauerreste, Wohnhäuser, der größte Binnenhafen des damaligen Mittelmeerraumes und eine Totenstadt.

Nun wurde überraschend unter Feldern, die nicht zum geschützten Ausgrabungsbereich gehören, ein weiteres ausgedehntes Stadtviertel unter der Erde entdeckt, welches seiner Lage und der Beschaffenheit der Gebäude nach vermutlich ein Hafenviertel war.

Ein neuartiger Georadar, der wie ein Anhänger hinter einem Fahrzeug gezogen werden kann, machte die Entdeckung möglich. Lázaro Lagóstena, Professor für die Geschichte der Antike an der Universität von Cádiz, besuchte mit seinem Bodenradar schon im Frühjahr des vergangenen Jahres die Ausgrabungsfelder von Doña Blanca, um einige dokumentierte, jedoch noch nicht ausgegrabene Areale zu untersuchen. Da er schon einmal da war, untersuchte er auf Anregung des Konservators des Museums von El Puerto, Juan José López Amador, auch einige Weiden der Landwirte Miguel und Manuel Lavi, welche an die bisherigen Grabungsstätten angrenzen, und wurde fündig.

Deshalb kehrte Professor Lagóstena, der auch Koordinator der Abteilung Geo-Detektion an der Universität Cádiz ist, im Juli dieses Jahres für eine genauere Untersuchung des Areals zurück. Als der Computer die zwei Meter breiten Streifen der Radarmessungen zu einem Ganzen zusammensetzte, zeigte sich, dass es sich um eine überraschend große Siedlung von 250 mal 125 Metern, gut drei Hektar, handelt. Die Strukturen, die zwischen 50 und 180 Zentimeter tief im Erdreich verborgen liegen, zeigen Gebäude, die Lager- und Produktionsstätten sein könnten, Straßen und offene Plätze, welche die Hypothese, es handle sich um den Hafenbereich der Stadt in der punisch-karthagischen Zeitperiode des 5. bis 3. Jahrhunderts vor Christus, nahelegen.

Die große Ausdehnung der Fundstelle, ihr guter Erhaltungszustand und ihre geringe Beeinträchtigung durch die Bauten späterer Epochen machen diesen Hafenbereich nach Ansicht von Lagóstena zum wahrscheinlich weitläufigsten und besterhaltenen Hafen der punischen Antike, der im Mittelmeerraum bekannt ist. Die vorgefundene Infrastruktur zeige, welch hohen Stellenwert im Seehandel diese Stadt phönizischen Ursprungs auch in der punischen Epoche noch hatte.

Über Wochenblatt

Das Wochenblatt erscheint 14-tägig mit aktuellen Meldungen von den Kanaren und dem spanischen Festland. Das Wochenblatt gilt seit nunmehr 36 Jahren als unbestrittener Marktführer der deutschsprachigen Printmedien auf den Kanarischen Inseln.

Hinterlasse einen Kommentar

avatar
  Abonnieren  
Benachrichtige mich zu: