Vieh weidet auf arsenverseuchter Abraumhalde


Foto: Pixabay

Die Umweltorganisation Fapas hat auf einem ehemaligen Minengelände das 140-Fache des zulässigen Wertes gemessen

Madrid – Der Wildtierschutzfonds Fapas, eine der treibenden Kräfte hinter der Erholung der Braunbärenbestände in Spanien, hat Anzeige erstattet, weil Kühe und Pferde auf Abraumhalden zweier Minen in Asturien weiden, die hohe Konzentrationen von Arsen aufweisen.

Die Quecksilbermine La Soterraña ist seit 44 Jahren stillgelegt. Sie ist die größte in Europa, die noch nicht saniert wurde. Dort erreichen die Arsen-Konzentrationen in den Bodenproben 5.785 Milligramm pro Kilogramm, das 140-Fache des zulässigen Höchstwertes. In der Goldmine von Boinás, die noch in Betrieb ist, hat die Umweltschutzorganisation im Weidegrund 78 Milligramm pro Kilo gemessen.

Der Naturschutzdienst der Guardia Civil (Seprona) von Oviedo hat die Anzeige an die Umweltstaatsanwaltschaft weitergeleitet, die nun feststellen muss, ob Hinweise auf eine Straftat vorliegen. Fapas geht davon aus, dass ein Verbrechen gegen die öffentliche Gesundheit vorliegt, weil die Produkte der viehwirtschaftlichen Nutzung dieser Flächen später in die Ernährung gelangen.

Die Umweltschützer entdeckten die Verseuchung bei einer der Überprüfungen, die regelmäßig in den Verbreitungs­-

gebieten der Braunbären durchgeführt werden. Ein Teil des Geländes der Goldmine von Boinás war 1995 wieder aufgeforstet worden, weil es sich um ein Durchzugsgebiet der Braunbären handelt. Dort wurde nun festgestellt, dass das Unterholz verschwunden und das Gelände in Weideland umgewandelt worden ist. Mehrere Tiere grasen dort. Fapas-Mitarbeiter nahmen daraufhin Bodenproben und erstellten dazu einen Bericht. Auch auf dem Gelände der Quecksilbermine La Soterraña, die von 1950 von 1974 in Betrieb war, wurden Kühe angetroffen, die ungehindert auf das verseuchte Gelände gelangen können.

In der Anzeige konstatiert Fapas auch, dass eine Verletzung der Kontrollpflichten der Regierung vorliege. Für Fapas ist es unverständlich, dass ein Gelände, welches die Regionalregierung von Asturien demnächst zu kontaminiertem Gelände erklären wird, nicht einmal eingezäunt ist.

Auch das Spanische Geologie- und Bergbauinstitut (IGME) bestätigt die hohe Belastung mit Schadstoffen, die im Umfeld der Mine La Soterraña noch immer festzustellen ist. Bei einer Messung im Jahr 2014 betrug die Konzentration von Arsen im Wasser einer Drainage der Abraumhalde 24.600 Mikrogramm pro Liter – in Mineralwasser ist der maximal zugelassene Wert 10 Mikrogramm pro Liter.

Die Dekontamination der Mine, die seit Jahrzehnten aussteht, gestaltet sich kompliziert. Zunächst muss geklärt werden, wo das Wasser der Drainage herkommt, um das Arsen und die Quecksilberreste zu lokalisieren. Zudem muss geprüft werden, ob sich unter dem Einfluss von Mikroorganismen organische Quecksilber-Verbindungen gebildet haben, die schwerwiegende gesundheitsschädliche Auswirkungen auf den menschlichen Organismus haben, die als Minamata-Krankheit bekannt sind.




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