Versteckte Schuldzuweisung an Vergewaltigungsopfer


Kritik an diskriminierenden Ratschlägen auf der Website des Innenministeriums

Das Innenministerium hat sich verpflichtet, eine Liste mit polizeilichen Ratschlägen zur „Vorbeugung von Vergewaltigungen“ zu überarbeiten, die seit über einem Jahrzehnt auf seiner Website veröffentlicht ist.

Madrid – Eine Reihe weiblicher Abgeordneter hatte den Tenor der Empfehlungen als diskriminierend kritisiert und gefordert, diese zu entfernen. Empfehlungen dieser Art seien ein Element der Diskriminierung der Frauen, indem es ihre Freiheit und Selbstbestimmung einschränke und sie darauf reduziere, verwundbare Wesen zu sein, die in ständiger Angst zu leben hätten. Dadurch werde ein chauvinistisches und patriarchalisches Gesellschaftsmodell gestützt.

Auf der Website des Innenministeriums wird Frauen unter anderem empfohlen, nicht per Anhalter zu fahren und auch keine Fremden im Auto mitzunehmen, nicht an einsamen Bushaltestellen herumzustehen, nachts nicht allein spazieren zu gehen, sich eine Trillerpfeife zuzulegen sowie, wenn man allein lebt, seinen Vornamen nicht auf das Klingelschild zu schreiben und sogar die Vorhänge geschlossen zu halten.

Diese Ratschläge gerieten im Zusammenhang mit der Vergewaltigung einer jungen Frau auf einem Volksfest in Malaga in den Fokus der Öffentlichkeit. Verschiedene sozialistische Abgeordnete kritisierten, dass durch die offiziellen Ratschläge des Innenministeriums den Vergewaltigungsopfern eine Mitschuld an dem Verbrechen zugeschoben werde.




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