Verschuldet bis unters Dach


Das spanische Dörfchen Vallada in der Provinz Valencia leidet unter den Folgen eines hochspekulativen Projekts aus den Jahren der Immobilien-Spekulationsblase und einer Pro-Kopf-Verschuldung um 10.000 Euro. Foto: Enrique Íñiguez Rodríguez

Der kleine Ort Vallada in der Provinz Valencia ächzt unter der höchsten Schuldenlast aller spanischen Gemeinden

Valencia – Die 3.030 Bewohner von Vallada (Valencia), halten einen traurigen Rekord . Die Bewohner des kleinen Dorfes sind die am höchsten verschuldeten Bürger Spaniens. Abhängig von einem noch nicht endgültigen Gerichtsurteil liegen die Verbindlichkeiten der Gemeinde zwischen 25,5 und 37 Millionen Euro. Jeder Bürger hätte somit eine Schuldenlast zwischen 8.444 und 12.239 Euro. Die Verschuldung der Stadtverwaltung liegt 1000% über den ordentlichen Einnahmen, sodass dringende Sparmaßnahmen ergriffen wurden. Nachts leuchtet nur jede dritte Laterne, das Budget für das Dorffest ist praktisch inexistent.

Diese Sparmaßnahmen haben ihren Ursprung im Jahr 2007, in der Zeit der Großbauten und Massenveranstaltungen der damaligen Regierung der PP. Unter dem Mandat von Francisco Camps schrieb die Region „Geschichte“: Mit dem Papstbesuch im Jahr 2.006, dem Americas Cup  2007 und dem Großen Preis von Spanien in der Formel 1 von 2008-2012 machte Valenica Schlagzeilen in der Weltpresse.

Und da wollte der damalige Bürgermeister von Vallada, Fernando Giner, wohl nicht zurückstehen. Der Grundschullehrer Giner wurde 1977 erstmals unter der faschistisch totalitären Staatspartei Falange Española de las Jons zum Bürgermeister gewählt und behielt dieses Amt, später unter den Regional-Parteien Unión Valenciana und PP, 24 Jahre bei. Im Rausche der Veranstaltung der Americas Cup plante der Bürgermeister die Schiffswerft „La mar de dins“ (Das Innenmeer), ein Trockendock und eine Segelschule, all das nur siebzig Kilometer vom nächsten Hafen entfernt.

Sozusagen im gleichen Atemzug kam und verließ der Americas Cup Valencia wieder, und Giner funktionierte das Hafenprojekt kurzerhand in einen Industriepark namens „Valpark“ um. Heute ist er der Meinung, dass es „wegen der Wirtschaftskrise halt danebenging, wie derzeit so viele Projekte.“

Der Verkauf des riesigen Geländes, stückweise oder im Ganzen, wäre die einzige Lösung, Vallada aus der Verschuldung zu retten. Und an Interessenten fehlt es nicht. Vor Kurzem war ein Investor an 200.000 Quadratmetern interessiert, um sein Gewerbe 2021 zu eröffnen. Aber dem Rathaus fehlen die finanziellen Mittel zur Urbanisierung des Terrains.

Vallada liegt ganz in der Nähe verschiedener Autobahnen und Zuglinien, könnte somit ein strategischer Punkt für den Warentransport in der Region von Valencia sein. Eine Wirtschaftsprüfung legte offen, dass bei dem Bau von „Valpark“ nicht erbrachte Leistungen bezahlt, ein großer Teil des Baumaterials sogar zweimal in Rechnung gestellt wurde. Zur Umgehung einer Klage erstattete das verantwortliche Unternehmen der Gemeinde 4,2 Millionen Euro. Bei dem Schul- denberg allerdings ein Tropfen auf den heißen Stein. Der spanische Rechnungshof fordert von Fernando Giner, seinem Nachfolger und dem derzeitigen Gemeindesekretär 1,4 Millionen Euro, aber auch dieser Betrag würde den kleinen Ort nicht aus der finanziellen Versenkung heben. Nur eines ist den Bewohnern von Vallada klar, die PP werden sie nie wieder wählen.




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