Verheirateter Priester aus dem Lehramt entlassen


Europäischer Gerichtshof für Menschenrechte bestätigt umstrittene Entscheidung

Für Polemik sorgt derzeit ein Urteilsspruch des Europäischen Gerichtshofes für Menschenrechte zu einer Klage eines ehemaligen Priesters und Religionslehrers.

Madrid/Straßburg – Es geht um José Antonio Fernández Martínez, der Anfang der 60er Jahre zum Priester geweiht wurde. Im Jahr 1984 beantragte er seine Befreiung vom Zölibat beim Vatikan; ein Jahr später heiratete er zivilrechtlich. Seit 1991 war er als Religionslehrer an einer öffentlichen Schule in Murcia tätig. Jedes Jahr verlängerte der zuständige Bischof seinen Vertrag. So weit, so gut, bis die Zeitung La Verdad (Die Wahrheit) 1996 einen Artikel über die Bewegung für die Freiwilligkeit des Zölibats veröffentlichte, der Fernández Martínez angehört. Das zum Artikel gehörende Foto zeigte u.a. den Religionslehrer mit seiner mittlerweile siebenköpfigen Familie auf einer Versammlung der Bewegung. Ein Jahr später teilte das Bistum dem spanischen Bildungsministerium mit, den Vertrag des Religionslehrers nicht weiter verlängern zu wollen. Daraufhin klagte Fernández Martínez vor dem Gericht von Murcia, das befand, er sei tatsächlich wegen seines Zivilstandes und seiner Zugehörigkeit zur Bewegung diskriminiert worden. Das Ministerium und das Bistum legten erfolgreich Berufung ein, denn der Oberste Gerichtshof entschied, der Bischof dürfe sehr wohl den Vertrag nicht verlängern, um einen Skandal zu vermeiden. Die Revision beim Verfassungsgericht brachte Fernández Martínez auch nicht weiter, sodass er vor den Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte in Straßburg zog. Doch auch die Europäischen Menschenrechtshüter befanden gegen ihn und erklärten, die Tauglichkeit für den Posten als Religionslehrer bestimme sich allein nach „religiösen“ Aspekten. Der Kandidat für dieses Lehramt müsse „seine Sittlichkeit beweisen und ein beispielhaftes christliches Leben führen,“ so der Urteilsspruch.




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