Verheerende Aussichten


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Banco de España rechnet 2009 mit einem Rückgang des Bruttoinlandsprodukts um 3%

Dieses Jahr wird nicht das Jahr der Erholung der Wirtschaft sein. Und was noch schlimmer ist: mit größter Wahrscheinlichkeit wird sich die Erholung auch nicht im kommenden Jahr einstellen.

Madrid – Nach 14 Jahren steigendem Wirtschaftswachstum erwartet Spanien in diesem Jahr den schlimmsten Einbruch seines Bruttoinlandsproduktes (BIP) seit dem Bürgerkrieg. Nach Angaben der Banco de España ist demnach in diesem Jahr mit einem BIP-Rückgang um 3% zu rechnen. Die Regierung hatte bislang nur von einem Rückgang von 1,6% gesprochen.

Die Virulenz der Krise hat inzwischen so gut wie alle Sektoren befallen und wird das BIP auch im kommenden Jahr schrumpfen lassen. Nach Prognosen der spanischen Notenbank ist 2010 mit einem Minus von 1% zu rechnen. Frühes­tens im zweiten Halbjahr kommenden Jahres könnten erste Anzeichen für eine leichte Erholung der Wirtschaft auftreten, heißt es in einem im April veröffentlichten Bericht.

Arbeitslosigkeit

Besonders schwerwiegend sind die Auswirkungen der Wirtschaftskrise auf den Arbeitsmarkt. In diesem Jahr könnten bereits 17,1% der Bevölkerung im arbeitsfähigen Alter ihren Job verloren haben, ein Prozentsatz, der 2010 sogar auf 19,4% steigen könnte. Das wären in Zahlen gesprochen knapp 4,5 Millionen Arbeitslose, über eine Million mehr als derzeit.

Um die Vernichtung von Arbeitsplätzen einzudämmen, schlägt die Zentralbank vor, über Reformen und diverse Anreize zu bewirken, dass die notwendigen Anpassungsmaßnahmen mittels der zeitweiligen Änderung der Lohn- und Arbeitsbedingungen laufen und nicht über die Abschaffung von Arbeitsplätzen.

Die Lage wird jedoch immer dramatischer. Nach offiziellen Angaben haben bislang bereits über 300.000 Arbeitslose die ihnen zustehende Arbeitslosenunterstützung (max. 180 Leistungstage 70%, dann 540 Leistungstage 60% der mittleren Beitragsbemessungsgrundlage für Sozialversicherung während der letzten sechs Monate vor Ende der Arbeitslosigkeit) ausgeschöpft und stehen sozusagen vor dem Nichts. So etwas wie Hartz IV gibt es in Spanien nämlich nicht und um in den Genuss von der auf das Arbeitslosengeld folgenden ebenfalls befris­teten Arbeitslosenunterstützung zu kommen, müssen ganz bestimmte äußerst strenge Bedingungen erfüllt sein.

Als erste autonome Region hat sich nun Castilla-La Mancha dieser speziellen Problematik angenommen. Die Regierung will Maßnahmen ergreifen, die es möglich machen, den Arbeitslosen, die das Arbeitslosengeld bereits ausgeschöpft haben, einen neuen Arbeitsplatz zu geben. 11.000 Arbeitsplätze sollen in der Region geschaffen werden, die den Betroffenen ein Gehalt von 865 Euro monatlich zusichern. Zwischen 30 und 32 Millionen Euro wird die Regionalregierung die Umsetzung dieses Vorhabens kosten.




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