Vergangenheitsbewältigung in Sicht


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Parlament verabschiedete Gesetz zur Aufarbeitung der Franco-Diktatur

Am 31. Oktober, fast genau 32 Jahre nach dem Tod von Spaniens Diktator Francisco Franco, gelang es der derzeitigen sozialistischen Regierung ein Gesetz durchzusetzen, das einen ersten Schritt in Richtung Vergangenheitsbewältigung möglich machen soll.

Madrid – Nach monatelangen, oft heftigen Debatten wurde das sogenannte Ley de la Memoria Histórica im Abgeordnetenkongress verabschiedet. Wie vorauszusehen war, unterstützten schließlich alle im Parlament vertretenen Fraktionen bis auf die konservative Opposition (PP) und die katalanische ERC die Gesetzesvorlage, die nun dem Senat vorgelegt werden kann.

Um den Übergang von der Diktatur zur Demokratie nach dem Tod des Caudillos möglichst nicht zu gefährden, fand in Spanien bislang noch so gut wie keine Aufarbeitung der Vergangenheit statt. Alle von den Linken und Sozialisten ausgehenden Versuche in diese Richtung scheiterten bislang nicht zuletzt an der Ablehnung der Konservativen, „nach so langer Zeit alte Wunden aufzureißen“. So kam es, dass beispielsweise die zahlreichen Opfer der Franco-Diktatur bis zum heutigen Tag keine wirkliche offizielle Anerkennung und schon gar keine Entschädigung von staatlicher Seite erfahren haben.

Auch ist in vielen spanischen Städten das Straßenbild noch immer durch Symbole und Namen geprägt, die an die Zeit der Diktatur erinnern. Noch schwerer wiegt aber in diesem Zusammenhang sicher die Tatsache, dass immer noch Tausende von Todesopfern dieser Zeit in Massengräbern verscharrt liegen.

Alle diese Missstände sollen durch das neue Gesetz endlich behoben werden. Nach der erfolgreichen Verabschiedung des Gesetzesentwurfes versammelten sich zahlreiche Zeitzeugen und Opfer der Diktatur die der Abstimmung beiwohnten vor dem Abgeordnetenkongress, um gemeinsam mit Vizeregierungschefin María Teresa Fernández de la Vega, eine der Vorkämpferinnen für dieses Gesetz, ihre Freude zum Ausdruck zu bringen. Dabei war der Ruf einer Frau zu hören: „Heute ist der Krieg endlich beendet worden.“




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