Verdächtige Geldbewegungen mit 500 Euro-Scheinen


Das spanische Finanzamt ermittelt in 2.100 Fällen

Ein Großteil der Spanier hat noch nie einen 500 Euro-Schein gesehen und dennoch gibt es davon fast doppelt so viele wie 50 Euro-Scheine. Der scheinbare Widerspruch hat eine einfache Erklärung: hinter einem Großteil der in Spanien in Umlauf befindlichen 500 Euro-Scheine verbirgt sich Schwarzgeld.

Madrid – Diesem Phänomen ist das spanische Finanzamt seit Anfang dieses Jahres verstärkt auf der Spur und wartet jetzt mit ersten Ergebnissen auf. Ganze 2.100 Geldbewegungen, bei denen durchschnittlich je tausend 500 Euro-Scheine verwendet wurden, sind den Inspektoren dabei verdächtig vorgekommen und wurden genauer unter die Lupe genommen. Insgesamt ist hier somit von einer ungeklärten Gesamtsumme von über eine Milliarde Euro die Rede.

Das Finanzamt hat sich nun zum Ziel gesetzt, die Eigentümer und Empfänger der verdächtigen Scheine festzustellen und herauszufinden, wofür das Geld verwendet wurde. Bislang haben die meisten verdächtigen Transaktionen mit dem Immobiliensektor zu tun und sind in den wohlhabenderen Gebieten Spaniens angesiedelt: der Mittelmeerküste und Madrid.

Das Finanzamt hat inzwischen 30 besonders verdächtige Fälle ausgewählt, auf die sich die Ermittlungen derzeit konzentrieren.

Tatsächlich ist die Angelegenheit wahrlich keine Nebensächlichkeit, denn in Spanien zirkulieren nach Angaben der Banco de España 26% der 500 Euro-Scheine der gesamten Euro-Zone. Und die Tendenz ist steigend. Der Prozentsatz der im Umlauf befindlichen 500 Euro-Scheine stimmt noch dazu fast genau mit dem Prozentsatz der in Spanien vermuteten Schattenwirtschaft (zwischen 20 und 25%) überein.

Die spanischen Banken und Sparkassen sind inzwischen dazu verpflichtet, jeden zu melden, der Transaktionen über 3.000 Euro durchführt. Ganz zu schweigen von den Privatpersonen oder Unternehmen, die große Geldsummen in 500 Euro-Scheinen abheben wollen.




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