Urdangarín und Torres suchen einen Vergleich mit der Justiz


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Mit einer Zahlung von 3.5 Millionen Euro eine Gefängnisstrafe vermeiden

Iñaki Urdangarín, Herzog von Palma, Schwiegersohn des spanischen Königspaares, und sein Ex-Sozius Diego Torres wollen das Kriegsbeil begraben. Monatelang hatten sie sich gegenseitig beschuldigt, für das gemeinsame Unternehmen Nóos (ohne Gewinnabsicht) und die Vereinnahmung öffentlicher Mittel verantwortlich zu sein, die auf Konten in Steuerparadiesen geflossen sein sollen.

Palma de Mallorca – Jetzt haben sie offenbar beschlossen, der Staatsanwaltschaft einen Vergleich vorzuschlagen, um eine Gefängnisstrafe zu vermeiden. Das Angebot soll darin bestehen, die Vergehen, die ihnen vorgeworfen werden, einzugestehen und den Schaden, den sie der öffentlichen Hand zugefügt haben, wieder gutzumachen. Es ist die Rede von einer Zahlung in Höhe von 3,5 Millionen Euro.

Mit Hilfe von Personen aus seinem Freundeskreis hat der Schwiegersohn des Königs die Initiative ergriffen, um die Auseinandersetzungen mit seinem ehemaligen Geschäftspartner zu beenden. Er möchte eine Einigung über die Frage herbeiführen, wer verantwortlich für das Unternehmen Nóos ohne Gewinnstreben war, das in vier Jahren rund zehn Millionen Euro von öffentlichen Institutionen erhalten hat, in der Hauptsache von PP-geführten Regionalregierungen.

Bereits seit einigen Wochen suchen Urdangarín und sein Ex-Sozius nach einer Einigung. Bislang sollen nach Angaben eingeweihter Kreise die Standpunkte noch recht weit von einander entfernt sein. Es geht nämlich um einen Pakt, wie das angeblich veruntreute Geld gemeinsam zurückgezahlt werden kann. Es geht immerhin um einen Betrag in Höhe von 3,5 Millionen Euro. Das größte Hindernis soll darin bestehen, wer den größten Teil der Summe aufbringen muss. Bei seiner Aussage vor dem Richter hatte Urdangarín den Standpunkt vertreten, er habe nur eine „institutionelle“ Rolle gespielt und die gesamte Verantwortung auf Torres abgewälzt. Doch diese Behauptungen wurden durch zahlreiche Zeugenaussagen widerlegt.

Urdangarín und Torres verhandeln über ein gemeinsames Angebot an die Staatsanwaltschaft, das akzeptiert werden könnte, wenn gewisse Bedingungen erfüllt werden. Das Ziel der beiden Beschuldigten ist, dass, sollten sie zu einer Haftstrafe verurteilt werden, diese unter zwei Jahren Gefängnis liegt. Dann müssten sie die Strafe nicht antreten. Außerdem ist der Herzog von Palma daran interessiert, dass eine Gerichtsverhandlung vermieden wird, die das Ansehen der Monarchie beschädigen könnte.

In juristischen Kreisen wird spekuliert, dass der Schwiegersohn des Königspaares wegen Veruntreuung, Pflichtverletzung, Dokumentenfälschung und Betrugs angeklagt werden könnte. Steuerhinterziehung durch Geldeingänge auf einem Schweizer Konto ist nicht Gegenstand der gerichtlichen Untersuchung.

In den kommenden Tagen werden die Anwälte des Herzogs, Mario Pascual Vives, und von Diego Torres, Manuel González Peeters, mit Mitgliedern der Antikorruptions-Staatsanwaltschaft zusammentreffen. Jeder von ihnen verhandelt separat an unterschiedlichen Terminen.

Drei E-Mails aus dem Jahr 2007, welche Torres vor wenigen Wochen dem Staatsanwalt zukommen ließ, hatten die Situation vollkommen geändert. Darin bestätigt Urdangarín seinem Sozius, König Juan Carlos werde sich als Vermittler einsetzen, damit sein Schwiegersohn eine Beteiligung an dem neuen Segelteam des America Cup erhalte.

Das Umfeld Urdangaríns befürchtet, dass Torres noch ein weiteres Ass im Ärmel hat bzw. weitere Dokumente besitzt, die das Image des Königshauses beschädigen könnten.




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