Urdangarín hat eine Auszeit beantragt


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Um das Image der Telefónica vor Schaden zu bewahren

Iñaki Urdangarín, Schwiegersohn des spanischen Königspaares, hat die Telefongesellschaft Telefónica, deren Repräsentant er in den USA ist, um eine zeitweise Aussetzung seines Vertrages ersucht.

Washington/Barcelona – Der Herzog von Palma hat jetzt bekannt geben lassen, dass er mit seiner Familie, der Infantin Cristina und den vier Kindern, nach Barcelona zurückkehren wird. Drei Jahre lang hatten sie in Washington gelebt.

Das Königshaus hat auf Anfrage einer nationalen Zeitung bestätigt, dass es über die Entscheidung informiert sei und diese respektiere.

Urdangarín hat diese Entscheidung getroffen, weil die gerichtlichen Untersuchungen, die gegen ihn laufen, jetzt in eine entscheidende Phase eintreten und seine Präsenz vor dem Gericht in Palma de Mallorca immer häufiger notwendig sein wird. Der Herzog von Palma hat die Telefónica gebeten, seinen Vertrag für einen unbestimmten Zeitraum auszusetzen, weil die Möglichkeit bestehe, dass ein Prozess negative Auswirkungen auf das Image der Gesellschaft haben könnte.

Obwohl Urdangarín seinen Vertrag mit der Telefongesellschaft erst am 31. Juli erneuert hatte, kam es im Laufe des Monats August zu verschiedenen Treffen mit Direktionsmitgliedern der Gesellschaft. Danach habe er sich entschlossen, um eine zeitweise Aussetzung seines Vertrages zu bitten.

Die spanische Residenz des Herzogs von Palma und seiner Familie befindet sich im Palast von Pedralbes in einem eleganten Stadtteil von Barcelona. Allerdings ist davon auszugehen, dass er bald in einen schlichteren Wohnsitz umziehen wird, denn wahrscheinlich kommen empfindliche finanzielle Strafen auf ihn zu. Und als Konsequenz seiner Auszeit bei der Telefónica werden ihm diese Einkünfte fehlen, von denen er mit seiner Familie lebt. Die Infantin Cristina arbeitet allerdings nach wie vor bei der Stiftung La Caixa.

Das Königshaus hatte das Paar vor acht Monaten von allen offiziellen Aufgaben freigestellt wegen des nicht exemplarischen Verhaltens des Schwiegersohns bei seinen privaten Geschäften, wie König Juan Carlos es seinerzeit ausdrückte.

Im vergangenen Sommer haben  Prinzessin Cristina und ihr Ehemann zum ersten Mal nicht gemeinsam mit der königlichen Familie im Marivent-Palast in Palma de Mallorca Urlaub gemacht. Nur die vier Kinder waren zwei Tage lang zum Segeln mit Königin Sofia und Cousin und Cousine Marichalar-Borbón, den beiden Kindern der Infantin Elena auf der Insel. Die Stellung von Urdangarín im Verhältnis zur Königsfamilie wird sich durch seine Rückkehr nach Spanien nicht ändern.

Er ist wegen mutmaßlicher Korruption in seinen privaten Geschäften angeklagt, und es wird in den kommenden Monaten und wahrscheinlich auch noch 2013 vor dem Gericht in Palma de Mallorca gegen ihn verhandelt. Der Prozess wird sich über mehrere Wochen erstrecken, in dessen Verlauf mehr als zweihundert Zeugen vernommen werden sollen. Es geht um den größten Skandal des vergangenen Frühjahrs, den sogenannten Fall Nóos, bei dem öffentliche Mittel in Millionenhöhe veruntreut wurden (das Wochenblatt berichtete).

Der Richter José Castro am Gericht von Palma de Mallorca, der die Untersuchungen leitet, ist dabei, die umfangreiche Beweisaufnahme zu schließen. Er wird Iñaki Urdangarín zusammen mit dessen Sozius Diego Torres im gemeinsamen Unternehmen Instituto Nóos vor Gericht stellen. Es geht um die illegalen finanziellen Mittel in Höhe von 5,8 Millionen Euro, die sie von den Regionalregierungen der Balearen und Valencias erhalten haben. Die Antikorruptions-Staatsanwaltschaft wird in Kürze ihre Klageschrift vorlegen und wahrscheinlich eine Kaution für den zu erwartenden Schadenersatz in Höhe von vier Millionen Euro festlegen.




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