Unzureichende Entschuldigung der ETA


In diesem Schreiben, das am 2. Mai veröffentlicht wurde, gab ETA ihre Auflösung bekannt. Foto: EFE

Die Terrororganisation steht vor dem Verschwinden

Vitoria – Die baskische Terrororganisation ETA, die in den vergangenen fünfzig Jahren mehr als 850 Menschen tötete, für Entführungen, Erpressungen und Sabotagen verantwortlich ist, räumte in den vergangenen Wochen ihre Schuld ein. Sie bedauerte den Schmerz, den sie den Menschen bereitet hat. Doch um Verzeihung bittet sie nur für diejenigen Opfer, die nicht direkt an dem Konflikt beteiligt waren. Sie schließt von ihrer Entschuldigung die Anschläge auf Sicherheitskräfte und politische Führungspersonen aus.

Das hat nicht nur die Opferverbände und die baskische Regierung, sondern auch sämtliche politische Parteien mit Ausnahme der ETA-nahen EH-Bildu veranlasst, gegen diese „selektive“ Entschuldigung zu protestieren. Der baskische Regionalpräsident Iñigo Urkullu forderte ETA auf zum Ende ihrer Existenz allen Opfern die gleiche Achtung zu zollen. Auch die Bischöfe des Baskenlandes meldeten sich zu Wort und bedauerten, dass sich auch die Kirche des Komplizentums, der Gleichgültigkeit und der Zweideutigkeit gegenüber der ETA schuldig gemacht habe.

Im ihrer vorletzten öffentlichen Verlautbarung, das letzte Kommuniqué wird in der kommenden Woche erwartet, in der ETA ihre definitive Auflösung erklärt, verwenden die Verantwortlichen Formulierungen, die im Laufe der Geschichte der Terrororganisation unbekannt waren. „Wir sind uns der Tatsache bewusst, dass wir in der langen Zeit des bewaffneten Kampfes großen Schmerz verursacht und Schaden angerichtet haben, der nicht mehr gutzumachen ist. Wir wollen den Toten unseren Respekt zollen und den Verletzten und den Opfern der Aktionen der ETA, wir bedauern ehrlich. Aufgrund von Irrtümern und Fehlentscheidungen hat ETA Opfer verursacht, die nicht direkt an dem Konflikt beteiligt waren, sowohl im Baskenland als auch außerhalb. Unsere Aktionen haben Bürgerinnen und Bürger betroffen, die keinerlei Verantwortung hatten. Diese Personen und ihre Familien bitten wir um Entschuldigung. Unsere Worte ändern nichts daran, was passiert ist und lindern nicht die Schmerzen, das sagen wir mit allem Respekt“, heißt es unter anderem in der umfangreichen Veröffentlichung.

Die Regierung hat wissen lassen, dass ETA niemals mit einer Gegenleistung rechnen kann. Mit ihrem Schreiben habe sie ihre komplette Niederlage eingeräumt.

Die Bischöfe des Baskenlandes, der Erzbischof von Navarra sowie der Prälat vom französischen Bayona, veröffentlichten eine gemeinsame Stellungnahme, die der Verlautbarung der spanischen Bischofskonferenz entgegensteht, die kurz zuvor bekannt wurde. „Wir sind uns der Tatsache bewusst, dass es unter uns Komplizen gab, Unterlassungen und Zustimmung erfolgten. Dafür bitten wir um Entschuldigung“. Diese Äußerungen haben unter den übrigen spanischen Bischöfen Bestürzung oder zumindest Erstaunen ausgelöst, denn sie hatten sich noch kurz zuvor bei einer Konferenz in Madrid getroffen. Da hatte José María Gil Tamaya, der Sprecher der Bischofskonferenz, die Freude darüber zum Ausdruck gebracht, dass ETA sich endgültig auflösen werde. „Die Bitte um Verzeihung verlange gleichzeitig die Verpflichtung zur Wiedergutmachung“ hatte er die Terrororganisation wissen lassen. Doch von einer Abbitte im Namen der Kirche war nicht die Rede gewesen.

Über Wochenblatt

Das Wochenblatt erscheint 14-tägig mit aktuellen Meldungen von den Kanaren und dem spanischen Festland. Das Wochenblatt gilt seit nunmehr 36 Jahren als unbestrittener Marktführer der deutschsprachigen Printmedien auf den Kanarischen Inseln.

Hinterlasse einen Kommentar

avatar
  Abonnieren  
Benachrichtige mich zu: