Unruhige Zeiten im Zarzuela-Palast


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Die geschäftlichen Machenschaften Urdangarins beunruhigen das Königshaus

Die gerichtlichen Untersuchungen, die gegen Iñaki Ur­­dangarin, den Schwiegersohn des spanischen Königspaares, wegen seiner Verwicklung in den Fall „Babel“ laufen, haben eine Welle ausgelöst, die jetzt auch die königliche Familie erreicht hat. Babel hat sich als sogenannter Nebeneffekt aus dem Korruptionsfall „Palma Arena“ aufgetan, in dem Jaume Matas, der ehemalige Präsident der Balearen die Hauptfigur ist.

Madrid – Die Beamten, die mit der Untersuchung und Auswertung der beschlagnahmten Dokumente befasst sind, wollen in 45 Tagen ihre Arbeit abgeschlossen haben. Dann wird Urdangarin aller Wahrscheinlichkeit nach als Beschuldigter vorgeladen. Die Abteilung 25 des Falls Palma Arena steht im Zusammenhang mit gewissen Unregelmäßigkeiten – von der Regierung der Balearen wurden sozusagen per Fingerzeig zwei Verträge (2,3 Millionen Euro) und von der regionalen Regierung und der Stadtverwaltung Valencias mindestens vier Verträge (3,7 Millionen Euro) auf dieselbe Art und Weise vergeben. Empfänger war in allen Fällen die Stiftung ohne Gewinnabsicht Instituto Nóos, deren Präsident Iñaki Urdangarin, Herzog von Palma, der Schwiegersohn des spanischen Königspaares ist. Gegen Diego Torres, wichtigster Partner Urdangarins in der Stiftung, die zwischen 2004 und 2006 mit diesen Verträgen bedacht wurden, wird seit sechs Monaten wegen Urkundenfälschung, Wirtschaftsbetrug, Veruntreuung öffentlicher Gelder und Amtsmissbrauch ermittelt.

Anfang Dezember machte Urdangarin, von der Öffentlichkeit völlig unbeachtet, einen Blitzbesuch in Madrid. Nachdem er mit seinem Anwalt seine Situationen analysiert hatte, traf er mit König Juan Carlos und Prinz Felipe zu einem Gespräch im Zarzuela-Palast zusammen, bevor nach Washington zurückkehrte, wo er seit zwei Jahren mit seiner Familie lebt. Wie aus eingeweihten Kreisen verlautet, hat sich die ehemals sehr freundschaftliche Beziehung zwischen Prinz Felipe und seinem Schwager spürbar abgekühlt. Der Thronfolger befürchtet, dass dessen finanziellen Machenschaften das Ansehen der Familie und seine Zukunft belasten könnten.

Königin Sofía, die sich in der ersten Dezemberwoche zu einem offiziellen Besuch in den USA aufhielt, verbrachte auch einige Tage im Hause ihrer Tochter Cristina in Washington. Dort ließ sie sich demonstrativ zusammen mit ihrem Schwiegersohn von einer spanischen Illustrierten fotografieren, obwohl sie in der Regel derartige Fotos verweigert.

Um Verzeihung gebeten

Iñaki Urdangarin hat jetzt zum zweiten Mal sein Schweigen gebrochen, seit die Untersuchungen seiner geschäftlichen Aktivitäten begonnen haben (das Wochenblatt berichtete). In einer kurzen Erklärung an die spanische Nachrichtenagentur Efe sagte er:

„Angesichts der großen Zahl von Informationen und Kommentaren in den Medien im Zusammenhang mit meiner beruflichen Tätigkeit, möchte ich mein tiefstes Bedauern darüber aussprechen, dass ich damit das Ansehen meiner Familie und des  Hauses seiner Majestät des Königs schwer beschädigt habe, das nichts mit meinen privaten Aktivitäten zu tun hat.“

Er wies darauf hin, dass er als seinen juristischen Berater und Sprecher Mario Pascual Vives, Mitglied der Anwaltskammer von Barcelona, bestimmt habe, der bevollmächtigt sei, zukünftig in seinem Namen Erklärungen abzugeben.

Kein vorbildliches Verhalten

„Iñaki Urdangarin wurde wegen seiner mutmaßlichen Verwicklungen in den Fall Palma Arena aus der Agenda der öffentlichen Verpflichtungen der königlichen Familie entfernt“, hatte Rafael Spottorno, Chef des Königshauses, den Medienvertretern mitgeteilt, die vor dem Zarzuela-Palast warteten. Außerdem ließ er wissen, das Verhalten des „Duque de Palma“ sei nicht als vorbildlich zu bezeichnen.

Die Entscheidung, dass Ur­dangarin sich aus dem offiziellen Leben der Königsfamilie zurückzuziehen habe, sei im beiderseitigen Einverständnis erfolgt, erklärte Spottorno an anderer Stelle. Über die Situation von Infantin Cristina, der Ehefrau Udangarins werde man später entscheiden.

Die Nachricht einer nationalen Zeitung, die bereits vor einigen Tagen verbreitet wurde, konnte der Sprecher des Zarzuela-Palastes jetzt bestätigen. Das Königshaus wird zukünftig „seine Kosten offenlegen“, was schon seit Jahren von politischen Parteien und Sektoren des öffentlichen Lebens verlangt wird.




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